KURZ  &  KRITISCH  :  KURZ  &  KRITISCH 

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Knallhart. Jason Statham in Simon Wests Actionthriller „The Mechanic“. Foto: Kinowelt
Knallhart. Jason Statham in Simon Wests Actionthriller „The Mechanic“. Foto: Kinowelt

FILM

Stumpfe Oberfläche:

der Blockbuster „The Mechanic“

Arthur Bishop (Jason Statham) ist „The Mechanic“, ein Auftragskiller, darauf spezialisiert, seine Morde als Unfälle zu tarnen. So gut ist er in dem, was er tut, dass es schnell langweilig würde, ihm dabei zuzusehen. Deshalb wird der Schwierigkeitsgrad erhöht – und dem hochprofessionellen Einzelkämpfer mit Steve McKenna (Ben Foster) ein zur Selbstzerstörung neigender Hitzkopf an die Seite gestellt. Fortan mordet das ungleiche Duo gemeinsam – und deckt schließlich eine Verschwörung auf, die ihre Männerfreundschaft auf die Probe stellt.

Man könnte dem Film vorwerfen, er sei konstruiert und unrealistisch. Dass logische und physikalische Regeln zugunsten spektakulärer Schießereien, Explosionen und Verfolgungsjagden aufgehoben werden, gehört aber nun einmal zum Actionfilm wie Gesang zum Musical. Das Action-Publikum lässt die aberwitzigsten Kettenreaktionen als Ergebnis eines ausgefeilten Plans gelten und opfert bereitwillig Plausibilität auf dem Altar der Spezialeffekte. Auch die exzessiven, oft unnötigen Darstellungen von Gewalt dürften kaum jemand stören. Fragen nach Moral und Menschenwürde blendet die Zielgruppe für die Dauer des Films aus. Sie schaut gern einer Männerwelt zu, in der Coolness und Durchsetzungsvermögen wichtiger sind als Verhältnismäßigkeit und Herzensgüte. „The Mechanic“ (in 13 Berliner Kinos; OV im Cinestar) versucht nicht, den Actionfilm neu zu erfinden, sondern reizt die Konventionen des Genres bis zur Parodie aus. Auch die Handlung ist nicht neu, sie ist dem Charles-Bronson-Film „Kalter Hauch“ von 1972 entlehnt. Einziger Lichtblick: Ben Foster. Der Tiefgang, den er seiner Figur verleiht, wirkt in diesem ganz auf Oberfläche getrimmten Blockbuster verschwenderisch. An seiner Seite spielt Jason Statham aber so unbeseelt, dass unerheblich ist, wer am Ende die Oberhand behält. David Assmann

POP

Triumph im eigenen Kosmos: Jamiroquai in der O2-Arena

Die Dekoplaneten unter der Hallendecke, sie drehen sich nicht, sie hängen bloß. Schlechtes Zeichen? Gefühlt haben Jamiroquai die kompletten Nullerjahre verschlafen, tatsächlich waren sie nur fünf Jahre weg. Sänger Jay Kay warnte vorab, seine Show sei nun statischer – Knieprobleme! Doch von wegen: Freitagabend wirbelt er, kreiselt, wagt Luftsprünge mit der Anmutung eines bekifften Kampfsportlers. Ihr sonniges Soul-Funk-Gemisch hat die Band nicht mal leise variiert: So launemachend wie harmlos feiern sich Jamiroquai durch die Hits ihrer Bandgeschichte, ab „Cosmic Girl“ tanzen auch die Sitzplatz-Inhaber, „Love Foolosophy“ gerät zum Triumph. Live dauert kein Song unter sechs Minuten, das klingt streckenweise nach Jamsession unter Freunden, mit Stevie Wonder am Keyboard, drei wunderbar souligen Backgroundsängerinnen und einer gründlich unterfordert wirkenden Rhythmusgruppe. Nur Jay Kay schwitzt unter Fransenponcho und Zebrahut, ein bisschen scheint seine Coolness mit den Jahren in Kauzigkeit umgeschlagen, aber egal. „We’ll spend the night together, wake up and live forever“ jubelt er, verneigt sich vorm Tanzheer vor der Bühne, und dann, tatsächlich, schwingen die Kunststoff-Planeten doch noch ein wenig auf und ab. Diese Band mag nicht mehr wegweisend sein, hat aber genug Energie übrig, sich noch lange im eigenen Kosmos weiterzudrehen. Was machen eigentlich die Brand New Heavies?Sebastian Leber

KABARETT

Durchgeknallte Rampensau:

Andreas Swoboda im Grünen Salon

Seine Chance auf einen neuen Job beim KaDeWe hat Andreas Renee Swoboda endgültig verspielt. Vom „Kaufhaus des Wahnsinns“ singt er am Freitag bei der Premiere seiner neuen MusicComedy Show im Grünen Salon der Volksbühne und bringt das Publikum zum rhythmischen Klatschen. Das Chanson über Renees Erlebnisse als KaDeWe-Verkäufer stammt von seiner Regisseurin und Songwriterin Dagmar Bedbur.

Denn der Musicalsänger führt ein Doppelleben: Er spielt in Musicals und jobbt nebenher – auch um Eindrücke zu sammeln für Kabarett & Comedybühnen. Dort trat er – dank seines gewaltigen Stimmumfangs – bislang ausschließlich in Frauenrollen auf . Er switcht vom Tenor zum Sopran, klettert hoch zum dreigestrichenen C. Deshalb hat ihn der Friedrichstadtpalast als „weiblichen“ Titelstar der Yma-Show engagiert. In seinem Soloprogramm gelingt Renee erneut ein Salto Mortale in eine komplett andere Rolle. Er tobt sich rampensaumäßig als männlicher Entertainer aus. Slogan: „Renee’s Coming In – Ich bin auch ohne Lady gaga“ (weitere Termine unter www.renee.de).

Schräge Gefühle, Situationen, turbulent inszeniert. Es geht um Rolltreppenblockierer, Taxiwegschnapper, Putzfetischisten. Die meisten Songs hat Dagmar Bedbur hintergründig-treffend geschrieben. Dabei lässt Renee auch mal kurz die Koloratur-Sopranistin aufblitzen. Und Pianist Alexander Klein setzt bärbeißige Kontrapunkte. Christoph Stollowsky

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