KURZ  &  KRITISCH  :  KURZ  &  KRITISCH 

Daniel Wixforth

KLASSIK

Harter Markt: „Warten auf Mozart“ an der Hanns-Eisler-Hochschule

Das Leben von jungen Sängern ist kein Zuckerschlecken. Nach jahrelangem Studium entscheiden fiese Veranstalter bei Vorsingentscheiden über das Auskommen der nächsten Monate. Die Kunst unterwirft sich dem Markt, weiß der Kulturpessimist. Warum aber den Markt nicht einmal den Gesetzen der Kunst aussetzen? Das versucht die szenische Collage „Warten auf Mozart“ an der Hochschule für Musik Hanns Eisler (wieder 16., 19., 20.4., 19 Uhr, sowie 17.4., 16 Uhr). Regisseurin Vera Nemirova kombiniert mit der Zauberflöte, Così fan tutte, der Hochzeit des Figaro und Don Giovanni die vier markttauglichsten Opern überhaupt, um etwas über das Ausgeliefertsein im harten E-Musikbusiness zu erzählen. Da entwickelt sich das Warten der Kandidaten auf ihr Vorsingen zum Schnelldurchlauf durch die Zauberflöte. Tamino (sehr ironisch: Junho Lee) tritt als selbstbewusster Italiener an und Pamina ist von der Jury so eingeschüchtert, dass ihre Arie zum resignativen Erwachen einer Träumenden wird (Bele Kumberger mit wunderbar innigem Sopran). Mit Texten aus Becketts „Warten auf Godot“ werden die Gefühlswelten der Protagonisten mal realitätsnah durchleuchtet, mal sarkastisch überhöht. Das ist kurzweilig, künstlerisch hochwertig, gar hoch erotisch. Die Regiebrüche nach der Pause verwundern aber. Wenn die Handlung von der Castingsituation zu Don Giovanni und auf eine Konzertbühne springt (auf der Youngmin Si Leporellos Arie existenziell-charakterlich singt), geht das ja an. Warum das Figaro-Finale aber als Strandparty (Bühnenbild: Stefanie Lindner) ausgetragen wird, bleibt Nemirovas Geheimnis. Am Ende aber ist klar: Auch die hier Beteiligten müssen sich schon bald am Markt behaupten. Daniel Wixforth

POP

Innovativer Zitatenmix:

Noah And The Whale im Postbahnhof
Eine orchestrale Hornfassung der „Bohemian Rhapsody“ von Queen bläst den Fritzclub im Postbahnhof mit feierlicher Erwartung auf. Noah And The Whale sprinten auf die Bühne. Schmale Hemden, dünne Schlipse, enge Anzüge. Zwei langhaarig Blonde links und rechts, Akustikgitarre und Bass, dazwischen drei Dunkellockige mit Stirntollen. Der eine klopft einen Bo-Diddley-Beat ins Schlagzeug, der andere grinst hinter den Keyboards. Im Mittelpunkt steht mit Fender-Jaguar-Gitarre Songschreiber Charlie Fink wie eine Mischung aus jungem Lou Reed und jungem Donovan. Mit schwermütigem Bariton singt er: „This is a song for anyone with a broken heart …“ In der Folge wechseln Noah And The Whale ständig die Instrumente: ein Arsenal von Gitarren und Tastaturen, elektrisch, akustisch, dazu viele Anleihen aus der Rockgeschichte. Trotzdem sind die Mosaike so geschickt zusammengesetzt, dass beeindruckend Neues entsteht. Schüchtern irrt Fink mit seiner Brummelstimme durch die Tiefen gängiger Melodien, bis sich die Band klanglich geschlossen findet. Fingerpicking, Schrubbelgitarre, Knatterschlagzeug, Fiedel-Fiddle. Nach neunzig Minuten der große Hit: „L.I.F.E.G.O.E.S.O.N“ mit „Lola“-Melodie der Kinks und umwerfendem Mitsingrefrain.H.P. Daniels

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