KURZ  &  KRITISCH  :  KURZ  &  KRITISCH 

von

KLASSIK

Reine Passion: Kammersymphonie

im Konzerthaus

„Sterben werd’ ich, um zu leben“ – mit dem Motto der „Musik mit Mahler“ im Konzerthaus hätte Schostakowitsch wohl wenig anfangen können. Denn für den sowjetischen Komponisten, der den Verheerungen des Krieges und der stalinistischen Schreckensherrschaft ausgesetzt war, bedeutete der Tod das „absolute Ende“. So bleibt seine 14. Sinfonie in der Interpretation der Kammersymphonie Berlin unter Jürgen Bruns reine Passion, ein „Lied von der Erde“, das noch um einiges bitterer und unversöhnlicher ist als das gleichnamige Werk Gustav Mahlers. Bruns vermittelt das in aller Schärfe, treibt sein Orchester zu höchster Intensität an. Sie zeigt sich im grellen Gelächter des Xylofons, wenn Claudia Barainsky und Anton Keremidchiev atemlos den Dialog zwischen dem lüsternen Bischof und der als Hexe verurteilten Loreley skandieren. Neben der Groteske, die im Entsetzen des „Der Tod ist groß“ (Rilke) gipfelt, steht Lyrisches von beklemmender Schönheit – die Streicherklage um den Puschkin-Freund Delwig, die kargen Linien von Violinen und Bässen im „De profundis“ (Garcia Lorca): „Einhundert heiß Verliebte schlafen für immer.“

Ein fabelhafter Solist wie die beiden mit dramatischer Klarheit agierenden Sänger ist auch der Geiger Kolja Blacher. Das „Concerto funèbre“ von Karl Amadeus Hartmann erfüllt er mit expressiver Spannung, geht in dieser viel schwieriger zu durchdringenden Musik mit dem Orchester plastische Dialoge ein. Klangdelikatesse zeigt die Kammersymphonie zu Beginn mit Arvo Pärts „Cantus“, in dem ein feines Streichergespinst von mahnenden Glockenschlägen gegliedert wird. Isabel Herzfeld

POP

Großes Vergnügen: John Watts

und Fischer-Z im C-Club

Kleiner Hut, große Nase, zerknautschter Anzug, exotische E-Gitarre. So steht John Watts allein auf der Bühne. So hatte man ihn in den letzten Jahren immer wieder bei seinen Soloauftritten erleben können, in winzigen Clubs, vor wenig Publikum. Heute ist der C-Club gut gefüllt, denn der 56-jährige Engländer Watts bestreitet das Vorprogramm für Fischer-Z. „Ihr glaubt also im Ernst, dass ihr hier zu einem Fischer-Z-Konzert gekommen seid? Ihr Deppen!“ Natürlich sagt er das freundlich charmant. Und natürlich weiß auch das Publikum, dass Watts nicht seine alte Band Fischer-Z reformiert hat, mit der er von 1979 bis zu deren Auflösung 1981 dank einiger Hits riesige Hallen füllen konnte. Allein die Ankündigung, dass Watts mit seiner neuen Band nur Songs der drei erfolgreichen Fischer-Z-Alben spielen werde, hatte offenbar gereicht, ein Vielfaches an Fans zu mobilisieren als für die Soloauftritte. Doch die müssten sich im Vorprogramm erst mal ein paar neue John-Watts-Songs anhören, die sie vielleicht gar nicht hören wollten. Sagt Watts und grinst. Gute Idee. Denn offenbar hören die alten Fans auch die neuen Songs vom gerade erschienenen Album „Morethanmusic“ mit Vergnügen. Die dazugesprungene Band rockt formidabel: Keyboards, Bass, knalliges Schlagzeug. Nach einer Dreiviertelstunde verschwinden sie, Vorprogramm beendet, kommen aber gleich wieder, jetzt als Hauptprogramm: Fischer-Z. Und sie hämmern die alten Songs hintereinander weg: „Pretty Paracetamol“, das immer noch ein bisschen nach Roxy Music klingt. Orkanartiger Jubel für „Berlin“ und „Marliese“. Das ist keine abgedroschene Oldie-Show. Es klingt sogar besser als damals, ohne die für die Zeit typischen Synthetizismen. Watts singt auch cooler als früher. Mit ihren manchmal schräggelegten Melodien, ihrer rasanten Rhythmik der neuen und der alten Songs sind John Watts & Band ein großes Vergnügen. H. P. Daniels

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