KURZ  &  KRITISCH  :  KURZ  &  KRITISCH 

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MUSIKTHEATER

Märchenhaft: „Eisenhans“

in der Werkstatt der Staatsoper

Ein Königssohn verlässt den väterlichen Hof, um sich alleine in der Welt durchzuschlagen: Das Märchen „Eisenhans“, eine Coming-of-Age-Geschichte der Gebrüder Grimm, ist eine tolle Vorlage für eine Kinderoper – dass man sie, wie der Komponist Ali N. Askin, mit modischem Ausrufezeichen schreibt, ist gar nicht nötig. Die Inszenierung von Andreas Bode in der Werkstatt der Berliner Staatsoper krankt jedoch daran, dass die zentrale Figur die Schwachstelle ist. Jianeng Lu macht als Prinz keine Entwicklung durch, es bleibt sich gleich, immer ein bisschen verhuscht, sein monochromer Tenor bildet das auch stimmlich ab. Als Identifikationsfigur taugt er wenig.

Kai Wegner dagegen ist als grunzender, lehmverschmierter, roboterhaft staksender Eisenhans mit dunkel leuchtendem Bass von Anfang an eine beeindruckende Erscheinung. Der Tümpel, in dem er haust, ist gar nicht zu sehen, er verbirgt sich hinterm Vorhang, was ihn nur umso gruseliger macht. Doch Wegner hat nur am Anfang und am Ende Auftritte, dazwischen kommt der Prinz an einen fremden Hof und muss zahlreiche Prüfungen bestehen, bevor er endlich die Prinzessin bekommt. Hier geht die Geschichte streckenweise nur zäh voran.

Borjana Mateewa nervt als krächzende Köchin, die mitten im Satz vom Sprechen ins Singen übergeht und auf Teufel komm raus lustig sein will. Später, wenn sie die strenge Amme mit osteuropäischem Touch spielt, ist sie besser. Michael Rapke ist ein Hofmarschall, der überdreht wie ein geköpftes Huhn über die Bühne rennt und später sogar das Pferd spielen muss, Bernhard Hansky der schlaftrunkene König, Herdis Anna Jonasdottir die verträumte Prinzessin.

Ein bunter Haufen, der von der Musik zusammengehalten wird, die Askin für Klavier, Violine, Kontrabass und Schlagwerk geschrieben hat und die sich in viele märchenhafte Klangfarben ausdifferenziert. Punktierte Töne treiben die Handlung voran, das Klavier ist für die lyrischen Stellen zuständig, wenn es Nacht wird, erklingt ein Vibraphon. Und wenn der Krieg beginnt, dreschen die Musiker wie verrückt auf Ölfässer ein. „Stomp“ in der Staatsoper. Auch so kann man für Jubel sorgen (wieder vom 4. bis 19. Mai). Udo Badelt

KUNST

Verbotene Liebe: Nachwuchs-Werke in der Akademie der Künste

In der Berliner Akademie der Künste hat die Ausbildung und Förderung junger Künstler Tradition. Seitdem der spätere preußische König Friedrich I. die Gelehrtengesellschaft 1696 ins Leben rief, ist der Lehrbetrieb fester Bestandteil der Institution, die damals noch „Academie der Mahler-, Bildhauer- und Architectur-Kunst“ hieß. Bis heute profitiert die Institution vom Austausch mit dem Nachwuchs – eine willkommene Gelegenheit, sich mit aktueller Kunst zu beschäftigen. Ein Jahr lang erhalten zwölf Künstler die Chance, in Berlin zu arbeiten.

Im „Monat der Stipendiaten“ zeigen sie ihre Werke, unter anderem in der Black Box der Akademie (Pariser Platz 4, bis 8. Mai, Di-So 11-20 Uhr). Tanja Kwapil präsentiert 243 Bleistiftzeichnungen, die auf einem Sockel gestapelt liegen. Jedes Blatt zeigt das Porträt eines Menschen, dem sie während ihres Stipendienaufenthaltes in Berlin begegnet ist. Silvana Santamaria beschäftigt sich mit dem Thema „Arbeit und Migration“. Ihre Aufnahmen entstanden im Senegal und auf Sizilien. Die Dokumentarfilmerin zeigt Menschen zwischen bitterer Armut und der Hoffnung auf den „europäischen Traum“, der sich oft als Albtraum erweist.

Maria Mohr gewährt in ihrem Kurzfilm „Cousin Cousine“ Einblicke in eine verbotene Liebe. Entstanden ist eine Collage aus Fotos, Texten, Text und Musik. Anton Gonopolski animiert den Besucher aktiv zu werden, indem er über eine Karaoke-Anlage zum Chorsänger seines Opernfilms „28 ½ opera-seria“ werden kann. Nur Mut. Alle Sänger werden im Abspann des Films namentlich erwähnt. Daniel Grinsted

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