KURZ  &  KRITISCH  :  KURZ  &  KRITISCH 

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KLASSIK

Alleskönner: Daniel Hope

im Kammermusiksaal

Will er der neue Justus Frantz werden? Neben seinem Engagement in aller Welt engagiert sich Daniel Hope gesellschaftlich, fungiert als künstlerischer Leiter der ländlichen Musikfestspiele Mecklenburg-Vorpommern und schreibt Bücher im Akkord (zuletzt: „Toi, toi, toi. Pannen und Katastrophen in der Musik“). Am Dienstag gastiert er mit dem Stuttgarter Kammerorchester in Berlin und tritt in sämtlichen Stücken solistisch auf – lasst ihn den Löwen auch noch spielen...

Doch Hope kann das Mammutprogramm meistern. Weil er als Interpret immer genau weiß, wo er hin will, weil ihm sein schöner singender Ton die Aufmerksamkeit des Publikums im vollbesetzten Kammermusiksaal sichert. Berührend, wie er für Mendelssohns frühes D-Moll-Violinkonzert wirbt, beruhigend seine Stilsicherheit bei Mozart. Im Bach’schen Doppelkonzert (mit Benjamin Hudson) kann er sich von den mit barocker Rhetorik wohlvertrauten Stuttgartern tragen lassen, allein Beethovens F-Dur-Romanze wirkt streckenweise uninspiriert. Wer befürchtet hatte, der gut warmgespielte Künstler würde womöglich spontan noch Tschaikowskys Violinkonzert zugeben wollen, sah sich angesichts eines reschen Vivaldi- wie eines lieblichen Bach-Schmankerls angenehm enttäuscht. Frederik Hanssen

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Alles Könner: das Berlin-Gastspiel des Bundesjugendorchesters

Vielleicht das gigantischste Werk Anton Bruckners ist seine Achte Sinfonie. Ein solches Werk zu stemmen verlangt selbst von gestandenen Berufsmusikern Mut und interpretatorische Weitsicht. So ist die Leistung des Bundesjugendorchesters zunächst einmal nicht hoch genug zu veranschlagen, einfach umwerfend angesichts der Tatsache, dass hier junge Musiker zwischen 14 und 19 Jahren nur dreimal jährlich zusammenkommen und dann wenige Wochen zur Erarbeitung zur Verfügung haben. Kein Wunder, dass die Philharmonie nach der letzten triumphalen C-Dur- Apotheose vor Jubel nur so erzittert.

Das ist gewiss auch das Verdienst von Herrmann Bäumer. Der frühere Berliner Philharmoniker hat die Arbeit mit Nachwuchsorchestern auch als Assistent von Yakov Kreizberg und Kent Nagano besonders erfahren. Zusammenhalt, engagierte Konzentration, Balance und Präzision erreicht er mit diskreter, behutsamer Zeichengebung. Erst im mächtigen Finale dreht er auch gestisch auf. Aus tiefen Streichern erhebt sich raunend der Beginn, knapp sind die Wege zu den großen Steigerungen genommen, den „Orgelmixturen“ aus Streichern und Blechbläsern. Im Scherzo flirrt es vielleicht schon zu ätherisch, wirkt das Pianissimo fast körperlos. Wunderschön, wenn im Adagio die zwischen Dur und Moll seufzende Melodik in breit fließende, harfefumglitzerte Klangflächen übergeht.

Und im Finale hält sich das Blech, von einem enthusiasmierten Pauker unterstützt, einfach prächtig – selbst wenn es hier musikalisch ein wenig arg affirmativ zugeht. Isabel Herzfeld

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