KURZ  &  KRITISCH  :  KURZ  &  KRITISCH 

von

KLASSIK

Asche und Diamant:

Edita Gruberova im Schillertheater

Was für ein Schluss: „Dell’ Anglia, Giacomo è il Re!“ Edita Gruberova verweilt eine gefühlte Ewigkeit auf dem königlichen Finalton von Elisabeths Arie aus Donizettis „Roberto Devereux“, modelliert ihn unter voller Strahlkraft, das Ende hört man gar nicht mehr, es geht im Jubel unter. Die Zuhörer trampeln im Schillertheater mit den Füßen wie Kinder. Höhe- und Schlusspunkt eines Konzerts, in dem die Assoluta, inzwischen 64, zeigt, wie weit man kommt, wenn man die Stimme ein Leben lang klug disponiert.

Schon im fast unhörbar leisen Beginn steckt der ganze Abend: Wie sich das „Tranqillo ei posa“ der Lucrezia Borgia soghaft aufhellt zu vollem Glanz, wie das Fortissimo aus weiter Ferne kommt und einen plötzlich erfasst! Noch in den höchsten, diamanten schimmernden Lagen findet Gruberova die Kraft, die Töne frei zu gestalten. Dabei wird sie von der Staatskapelle unter Andriy Yurkevych mit abgezirkelter, überzeugender Phrasierung begleitet. Und doch sind da die Momente, in denen die Stimme nicht sofort anspricht, das Passaggio nicht stufenlos gleitet, die Koloraturen nicht biegsam sind. Und das dreigestrichene Es am Ende von Lucia di Lammermoors Wahnsinnsarie: Es will nicht kommen. In der zweiten Hälfte: Alles vergessen, Gruberova singt mit einem Höchstmaß an Homogenität, die Spitzentöne sitzen. Der Abend, er hat insgesamt etwas Trotziges. Seht her, was noch da ist. Es ist viel. Udo Badelt

KLASSIK

Tanz und Takt: Finale beim

Deutschen Dirigentenpreis

Andreas Hotz ist kein klassischer Taktstock-Tänzer. Doch beim Finale des Deutschen Dirigentenpreises am Sonnabend macht er im Eifer des Gefechts einen unbedachten Ausfallschritt über den Rand seines Podestes hinaus. Aber er fängt sich kurz vor dem Pult der ersten Geigen, kann den Schreck überspielen und entfaltet mit dem blendend aufgelegten Konzerthausorchester Richard Strauss’ „Don Juan“ in brillanter Klangpracht. Hotz gelingt es, mit seinen Gesten noch das hinterste Pult einzubeziehen. Wenn er mit geschlossenen Augen agiert, scheint es, als wolle er die Musik förmlich in sich aufsaugen.

Den ersten Platz kann er sich so allerdings nicht erkämpfen – die neunköpfige Jury unter Vorsitz von Lothar Zagrosek favorisiert Francesco Angelico. Ihm war zuvor eine packende, grellfarbige Interpretation von Bela Bartoks Tanz-Suite gelungen. Johannes Klumpp, der dritte Kandidat, interessierte sich bei Maurice Ravels Ballettmusik zu „Daphnis und Chloe“ dagegen vor allem für die Klangsinnlichkeiten der Partitur.

Gewonnen haben eigentlich alle drei Teilnehmer des Berliner Finales. Denn sie erklimmen damit die höchste Stufe im Dirigenten-Förderprogramm des Deutschen Musikrats. Hotz und Klumpp erhalten jeweils 10 000 Euro als Preisgeld, Angelico 15 000 Euro. Das Deutschlandradio hat den Italiener übrigens bereits für seine Debüt-Serie mit dem DSO im kommenden Januar engagiert. Frederik Hanssen

0 Kommentare

Neuester Kommentar