KURZ  &  KRITISCH  :  KURZ  &  KRITISCH 

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KLASSIK

Feurig: Berliner Operngruppe mit „Maria di Rohan“ im Radialsystem

Eine Frau steht zwischen zwei Männern, sie liebt nur den einen, der andere aber ist ihr Ehemann. In „Maria di Rohan“ dampft Donizetti Weltpolitik, das Gerangel zwischen Kardinal Richelieu und Ludwig XIII., auf ein seelendramatisches Kammerspiel ein. Íride Martínez verkörpert in der konzertanten Aufführung der Berliner Operngruppe im Radialsystem diese zerrissene Frau, anrührend, zerbrechlich, mit glühendem, flexiblem Sopran. Jesús León als Liebhaber trumpft mit silbriger Mittellage, wird aber in der Höhe eng, Robert Hyman strahlt als betrogener Gatte mit schwarzem Bariton. Sein Gesicht verwandelt sich zur Fratze, als sich die Erkenntnis wie Gift ausbreitet: Sie liebt ihn nicht. Christine Knorren singt das Lästermaul Armando mit feurig-tiefem Alt. Das Werk ist reich an Farben und Stimmungen – unverständlich, warum es von den Spielplänen verschwunden ist. Dirigent Felix Krieger, der die Operngruppe gegründet hat, hält die Fäden zusammen, das Orchester – gemischt aus Amateuren, Studierenden und Profis – macht seine Sache gut, auch wenn der letztes Biss noch fehlt. Wichtig sind die Begeisterung und der Ernst, mit dem die Musiker schwierige oder vergessene Stücke wiederaufführen – leider nur einmal im Jahr. Udo Badelt

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Funkelnd: David Fray und das DSO 

in der Philharmonie

Fragil und aufbegehrend zugleich soll Mozarts Klavierkonzert in d-moll sein – und dazu passt das Bild, das derzeit von David Fray verbreitet wird. Auch die Kadenzen, die der Franzose frei nach der Beethovenschen Vorlage entwirft, sprechen dafür: aus wild wühlendem Passagenwerk, durchaus mit Virtuosenpranke hingelegt, schälen sich melancholisch zarte Gestalten. Da ist der eigenwillige Pianist ganz bei sich. Schade, dass er sich als Gastsolist des Deutschen Symphonie-Orchesters mit dem Dirigenten James Gaffigan zu keinem klaren Konzept durchringen kann: Sollen die Streicher nun vibratolos streng klingen oder gefühlvoll warm? Erst im Finale ringt man sich zu funkelnder Leichtigkeit durch. Der Rest des Abends gerinnt zur puren Orchestervirtuosität. Harrison Birtwistles „Night’s Black Bird“ raunt und dräut in Kontrabässen und Tuben, in spitzen Klarinettenschreien doch ein wenig plakativ. Und die chromatischen Zerfallsmomente – quasi die „Vanitas“-Motive – in Strauss‘ „Alpensymphonie“ werden eher zur Klammer für triumphale Auftritte der Stärke in breitem, ungetrübtem Dur. Präzisen Glanz jedenfalls kann der junge Amerikaner entfachen, sehr zum Jubel des Philharmonie-Publikums.Isabel Herzfeld

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