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KLASSIK

Spannend: die Liedkunst-Reihe

im Kammermusiksaal

Was erzählen sich berühmte Tenöre, wenn sie sich beim Frühstück im Hotel treffen? Michael Schade, der die Zugaben zur neuesten Ausgabe der Liedkunst-Reihe im Kammermusiksaal anmoderiert, verrät es den Zuhörern: Er werde seinem Kollegen Jonas Kaufmann, der nebenan im großen Saal mit den Philharmonikern Mahler feiere, jedenfalls morgen unter die Nase reiben, dass es die Kollegen vom Lied waren, die ihm das Publikum geklaut hätten. Der scherzhafte Triumph sei ihm gegönnt – zumal sich ein solcher Coup nicht so leicht wiederholen lässt. Mit Schade, Sylvia Schwartz, Bernarda Fink, dem für Thomas Quasthoff eingesprungenen Robert Holl sowie den Klavierbegleitern Malcolm Martineau und Justus Zeyen hat man schließlich einige der derzeit fähigsten Liedgestalter versammelt.

Statt Brahms bekannter Liebesliederwalzer wurden die Vokalquartette zum Höhepunkt. Die Stücke vereinen mit ihrer kammermusikalischen Faktur und bei ausdrucksvoller Führung der Einzelstimmen die Vorzüge von Streichquartettsatz und Lied. Schumanns Spanische Liebeslieder (eine zwischen Liederspiel und Liedzyklus schwebende Sammlung von Soli, Duetten und Quartetten, in der besonders die Frauen durch glaubhaften intensiven Ausdruck überzeugen) enthalten die gleiche Botschaft: Wenn man kollektiv und kompetent an Gattungsgrenzen kratzt, dann haben Liederabende wieder eine Chance. Carsten Niemann

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