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Volker Lüke
Festung Europa. Aus Jim Goldbergs Fotoprojekt „Open See“. Foto: Goldberg /C/O Berlin
Festung Europa. Aus Jim Goldbergs Fotoprojekt „Open See“. Foto: Goldberg /C/O Berlin

HIPHOP

Drogenfrei: Arrested Development machen Party in der Volksbühne

Okay, bei dem Wetter hätte man auch in eine Strandbar gehen können, aber wenn eine verdiente Partyband wie Arrested Development in die Stadt kommt, gehst du natürlich hin. Zu einer Zeit, als Gangsta-Rapper wie Ice-T oder NWA die Popmusik revolutionierten, startete die Rap-Crew aus Atlanta eine HipHop-Bewegung, die eine Lebenslust bejahte, auf die sich alle einigen konnten: Arrested Development waren definitiv Slammin’, Smokin’ Dope und trotz Partybotschaft sozialkritisch. 1992 kürte der „Rolling Stone“ sie zur Band des Jahres, 19 Jahre später sind sie noch immer da. Dass ihr aktuelles Album „Strong“ nicht ganz hält, was der Titel verspricht, mag mit ein Grund dafür sein, dass die Volksbühne nur spärlich gefüllt ist. Angeführt von Todd Thomas aka Speech als funkiges Predigerkerlchen sorgt die siebenköpfige Truppe dennoch für Stimmung.

Schlagzeug, Gitarre und Bass treiben die Stücke voran, Speech und Kollege One Love lassen mit lässiger Eleganz Reime fließen, während sich Tasha Larae mit unverschämter Freude dem Wohlklang ihrer Stimme hingibt und Montsho Eshe mit oberflotten Tanzeinlagen begeistert. Zwei Stunden dauert die Nonstop-GuteLaune-Party. Auch alte Hits wie „Revolution“, 2Tennessee“, „Mr. Wendal“ oder „People Everyday“ sind dabei: Funky Grooves und heißer Buttersoul, ganz sentimental und mit dem großen Gefühl, dass es eine bessere Welt gibt. Volker Lüke

FOTOGRAFIE

Der zweite Blick: Finalisten des Boerse Prize bei C/O Berlin

Schnee oder Schlagsahne? Weder noch: Die pelzige Schicht über den Birnen und Erdbeeren in der Obstschale ist Schimmel. Mit seiner Fotografie spielt Roe Ethridge mit der Erwartungshaltung des Betrachters, indem er das klassische Stillleben-Motiv verfremdet. Zusammen mit Thomas Demand, Elad Lassry und dem Gewinner Jim Goldberg gehörte der Amerikaner zu den Finalisten des Deutsche Börse Photography Prize 2011, die C/O Berlin präsentiert (Oranienburger Str. 35/36, bis 19.6., tgl. 11 - 20 Uhr). Über 60 Fotografien zeigen unterschiedliche Herangehensweisen an das Medium: Während der in Tel Aviv geborene Lassry anhand von Werbeästhetik das Verhältnis von analogen und digitalen Bildern thematisiert, irritiert Demand durch die Künstlichkeit bekannt wirkender Orte. So stammt sein „Parlament“ ( 2009) nicht aus dem Berliner Reichstag, sondern zeigt einen Ausschnitt des Podiums im alten Bonner Bundestag. Am ergreifendsten Jim Goldbergs Projekt „Open See“. Mit Polaroids, Video und Text dokumentiert er die Erfahrungen von Flüchtlingen, Immigranten und Opfern von Menschenhändlern. Die Bilder zeigen eine Realität zwischen Elend und der Hoffnung auf ein neues Leben: verschleppte Schwestern in der Ukraine, ein schlafender Gemüseträger in Bangladesch, ein moldavisches Mädchen in Griechenland. Daniel Grinsted

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