KURZ  &  KRITISCH  :  KURZ  &  KRITISCH 

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KLASSIK

Der Tod fiedelt: Rias-Kammerchor

in der Alten Nationalgalerie

Im vierten und letzten Forum-Konzert der Saison hat sich der Rias-Kammerchor viel vorgenommen: den Frühling feiern, die deutsche romantische Seele und die Geburt der Nation aus dem Geist der Kunst erkunden und an die deutsche Einheit erinnern. Die beiden Gemälde an der Stirnseite des Deutschrömer-Saals der Alten Nationalgalerie, direkt hinter dem Flügel, erzählen, worum es geht an diesem Abend mit Liedern von Mendelssohn Bartholdy und Schumann. Böcklins „Selbstbildnis mit fiedelndem Tod“ und seine dritte Version der Toteninsel liefern den Subtext – dass die Lieder der Romantik selbst dann, wenn sie von Liebe singen, immer auch vom Tod und der Vergänglichkeit erzählen. Selbst das „Fest des Lenzes“ aus Schumanns Rückert-Vertonungen „Minnespiel“ darf nur drei Tage dauern. Musik als ein dem Vergehen abgerungener Augenblick, als still gestellte Zeit: Das gelingt Katharina Hohlfeld, Susanne Langner, Joachim Buhrmann und Andrew Redmond vor allem dann, wenn sie im Quartett singen und sich die vier individuellen Klangfarben zu schimmernder Homogenität vereinigen. Dass sie vom Chor herkommen, ist in solchen Momenten besonders präsent. Schwieriger wird es im Solo, vor allem Tenor Joachim Buhrmann müht sich mit der hohen Lage und wirkt eher wie ein Bariton. In tiefer gesetzten Liedern wie Schumanns „Schöne Fremde“ fühlt er sich sichtbar wohler. Den stärksten Eindruck hinterlässt der füllig-warme Alt von Susanne Langner. Philip Mayers begleitet pointiert am Klavier. Von dem grinsenden Tod, der direkt hinter ihm hängt, lässt er sich nicht stören. Udo Badelt

ROCK

Die Liebe schmerzt: Bryan Adams

in der Zitadelle Spandau

Verzückt tanzt und singt die gedrängte Menge in der Spandauer Zitadelle zum riffigen Rock von Bryan Adams. Der Sound ist brillant, mit starkem Rückgrat aus Hammond B3/Piano, Bass und Schlagzeug. Mit „House Arrest“ gibt der drahtige Kanadier mit Stratocaster und krähender Stimme die Parole aus für einen milden Sommerabend: „There’s gonna be a party, gonna make some noise …“ Ordentlich Lärm für die nächsten zwei Stunden. Mit einer Kette fein aufgefädelter Songs und Hits aus den letzten dreißig Jahren. In clever kalkulierter Stadionrock-Dramaturgie singt Adams zunächst nur eine Zeile aus dem Song „How Do You Feel Tonight“ von 1998: „Is there anybody out there …“ Stopp. Pause und Pose auf der Bühne. Brausendes Tosen aus dem Publikum. Jaaaaahhh! Alle da! Und bereit zu rocken. „Can’t Stop This Thing We Started.“ „I’m Ready.“ Adams sprintet über die Bühne, winkt und wedelt, wechselt spurtend die Seiten mit seinem Leadgitarristen Keith Scott. Und dirigiert Publikums-Chöre. Saftrock und Kraftballaden. Einfache Texte zu klassischen Teenagerthemen: Junge trifft Mädchen, brennende Herzen, lodernde Liebe, messerscharfer Schmerz. Und der Traum von der ewigen Jugend. Hatte Pete Townshend mit The Who noch 1965 mit „I hope I’ll die before I get old“ das Credo von „My Generation“ ausgegeben, so wandelte es sich mit der Generation von Bryan Adams in den Neunzigern zu: „Wanna be young for the rest of my life (…) gonna be 18 ’til I die.“ Bryan Adams ist inzwischen 51 und seine Fans sind ganz nah bei ihm. Schöne Party. H.P. Daniels

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