KURZ  &  KRITISCH  :  KURZ  &  KRITISCH 

von

REGGAE

Feueralarm: Fat Freddy’s Drop

in der Columbiahalle

Grasgrün strahlen die Scheinwerfer. Es ist die Farbe ihrer Insel: Neuseeland oder Aotearoa wie die Maori sagen. Dort unten, 20 000 Kilometer weit weg von allen Zentren der Popmusik, haben sich Fat Freddy’s Drop neben den ebenfalls aus Wellington stammenden Black Seeds zu den größten Stars einer umtriebigen Reggae, und Dubszene entwickelt. In der vollen Columbiahalle lassen die sieben Musiker es entspannt angehen. Als sie zum ersten Mal die Betonung in den Offbeat verschieben, wird das jubelnd begrüßt. Links vorne steht die dreiköpfige Bläsersektion, Gitarrist Jetlag Johnson ist hinter ihnen verborgen. Eine Rhythmussektion gibt es nicht, dafür den massigen DJ Fitchie, der nicht nur die Beats, sondern meist auch die Basslines einspielt. Das ist zunächst ein wenig irritierend, doch Sänger Joe Dukie und die mitunter in jazzige Regionen hinüberhopsenden Bläser übernehmen ohnehin bald die Führung. Posaunist Joe Lindsay wechselt gelegentlich zur Tuba oder zur Mundharmonika – und ein echt toller Tänzer ist der kugelbäuchige Kerl mit den Tennisshorts auch noch.

Fat Freddy’s Drop mischen Songs ihrer beiden Studioalben mit neuem Material wie dem dubbigen „Black Bird“. Den energetischen Höhepunkt setzen sie etwa in der Mitte ihres rund 140-minütigen Konzertes: Für „Roady“ kommen drei Gast-MCs auf die Bühne, die mit High-Speed-Raps und „Fire Fire“-Rufen die Halle zum Ausflippen bringen. Danach geht es im Chill- Modus und einigen extralangen Stücken weiter. Als Zugabe spielt die Band das großartige „Wandering Eye“ mit der perfekten Mitsingzeile „Higher, higher, higher“, auf der das Publikum in die laue Nacht entschwebt. Nadine Lange

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar