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KLASSIK

Unter Freunden: Patrick Lange und

das Orchester der Komischen Oper

Es ist gut gelaufen für Patrick Lange in den vergangenen 14 Monaten. Im Mai 2010 stieg er, 29-jährig, überraschend vom Kapellmeister zum Generalmusikdirektor der Komischen Oper auf, nachdem sich das Orchester von Carl St. Clair getrennt hatte. Dass aus dem Wagnis längst eine Freundschaft erwachsen ist, spüren die Zuhörer beim letzten Saison-Sinfoniekonzert in der Behrenstraße sofort. Bewusst schlicht gestaltet Lange den Beginn von Richard Strauss’ „Tod und Verklärung“, lässt den Holzbläsern Raum für ihre Soli. Mit Kunsthandwerkerehrlichkeit arbeitet sich das Ensemble anschließend durch die „heftig bewegten“ Passagen, so dass sich bestens nachvollziehen lässt, wie der Komponist sein raffiniertes Räderwerk in Gang setzt. Tief empfunden und atmosphärisch dicht dann Schostakowitschs Sechste, dieser bewusst kopflose Torso: Beeindruckend bedrängend die Largo-Klage, schön scharfkantig die schnellen Sätze. Dirigent und Orchester verschmelzen zu einer Einheit, der Saal lauscht atemlos.

Zwischen den beiden sinfonischen Brocken lässt Christiane Karg in Alban Bergs „Frühen Liedern“ betörenden Sirenengesang erklingen. Sublim schimmert die Silberhöhe, jeder Vokal ein kostbarer Kristall, rein und klar, Gedichte wie Geschmeide, halb dekadent, halb zukunftssüchtig. Ein Jugendstil-Sommernachtstraum. Frederik Hanssen

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An der Rampe: Klaus Florian Vogt

in der Deutschen Oper

Eben noch hat er seinem „flandrisch Mädchen“ Lebewohl gesagt, da kehrt er zurück auf die Bühne als Gralsritter Lohengrin aus fernem Land. Von Lortzing zu seiner Paraderolle im Wagnerfach. Klaus Florian Vogt siegt in der Deutschen Oper mit seiner hellen Tenorstimme, die klingt wie strömende Natur. Dem utopischen Bildnis einer Pamina folgt die Konkretion in „Agathens Liebesblick“. Versteht sich, dass Vogt für die Arie des Max ein schönes Crescendo drauf hat. Worin aber unterscheidet sich der magische Wunschtraum eines Prinzen von dem Alltag des Jägerburschen, der durch die Wälder, durch die Auen streift? Klingt alles klar, frisch, ob Mozart, Weber oder Wagner, aber auch gleichmachend, wenig berührt von den dramaturgischen Inhalten der Rollen, ihrem Ausdrucksradius.

Wenn am Pult Peter Schneider steht, ein Dirigent mit unprätentiösen Kapellmeistertugenden, so ist schade, dass von gemeinsamem Musizieren keine Rede sein kann. Nach dem Verständigungsblick mit dem Maestro gibt es keinen weiteren. Vor dem Orchester allein kommt der Musiker Schneider im Vorspiel zum dritten „Meistersinger“-Akt zu sich selbst, sonst verfällt er der Gefahr, den Lakaien des Rampensängers zu machen. Dem darf Manuela Uhl als Stütze für ein kleines Duett (Korngold) dienen. Isolierte Wahrnehmung der Stücke liegt im Wesen eines Arienabends. Hierfür eignen sich im deutschen Fach Siegmunds Liebeslied und Walthers Preislied. Kein Wunder, dass sie unerschütterliche Höhepunkte des Konzerts sind. Sybill Mahlke

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