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Volker Lüke

ETHNO

Familiär: Group Doueh aus Marokko beim Wassermusik-Festival

Na bitte, Jimi Hendrix war ein Wüstensohn! Einen Tag nach der Eröffnung des Wassermusik-Festivals im Haus der Kulturen mit dem großen Algerier Khaled schicken Group Doueh aus Marokko das Publikum mit einem Mix aus traditioneller Sahrawi-Musik und Gitarrenrock in die Wüste der West-Sahara. Im Mittelpunkt steht Salmou „Doueh“ Baamar, der herrlich verdrehte Blueslicks aus seiner E-Gitarre schüttelt und für beträchtliche Begeisterung sorgt, als er sie ganz im Stil von Jimi Hendrix hinter dem Rücken bearbeitet. Manchmal spielt er auch auf einer elektrisch verstärkten Ngoni-Laute einen flächigen Drone-Sound, während seine Frau Halima mit einer weiteren Sängerin den hypnotischen Zauber mit spitzen Trillern und typischem Wechselgesang anreichert. Komplettiert wird das Familienunternehmen aus Dakhla durch Sohn Jamal, der wilde Tonkaskaden und vorprogrammierte Beats aus dem Keyboard drückt.

Dabei hat die in repetitiven Mustern über wenig Akkorde kreisende Musik etwas unzweifelhaft Archaisches an sich und auch das Heulen der tranceartigen Gesänge klingt bisweilen, als seien sie un- mittelbar dem Wüstenwind entrissen. Ein surreal flirrender Sahara-Blues, der immer ausuferndere Bahnen zieht und vor allem deshalb so betörend wirkt, weil der Gitarrist immer länger braucht, bis er einen Ausweg gefunden hat. Aber schon stürzt man sich wieder mit vollem Elan in die Materie, geradezu überquellend psychedelisch, mit durchgetretenem Effektpedal und abgehobenen Melodieschnörkeln. Eine Musik, die das Zeitgefühl aufhebt und Assoziationen an endlose Sandmeere weckt, bis sich das Publikum nach neunzig Minuten ebenso taub wie glücklich bei einigen Bieren erholen darf. Wüste macht durstig. Volker Lüke

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