KURZ  &  KRITISCH : KURZ  &  KRITISCH

Daniel Wixforth

YOUNG EURO CLASSIC

Reife Leistung: das

Polska Orkiestra Sinfonia Iuventus

Schon nach sieben Minuten ist klar, dass der Überraschungseffekt für „Young Euro Classic“-Verhältnisse gering ausfallen wird. Normalerweise kann die Spielfreude, die sich bei den jungen Orchestern meist mit fehlender Abgeklärtheit paart, in alle möglichen und unmöglichen Richtungen ausschlagen. Wer aber die ruppig-moderne Sprache von Paul Hindemiths Ouvertüre zu „Neues vom Tage“ so abgeklärt, so analytisch auf den Punkt und doch so emphatisch spielt wie das Polska Orkiestra Sinfonia Iuventus hat längst die orchestrale Pubertät hinter sich.

Natürlich liegt das auch am Dirigat von Tadeusz Wojciechowski, der seine Schützlinge bis ins letzte Detail vorbereitet hat. In Szymanowskis Symphonie Nr. 4 für Klavier und Orchester bekommt Pianist Jan Krysztof Broja trotz technischer Ausgereiftheit Schwierigkeiten, sich in diesen perfekt abgestimmten Kollektivkosmos einzugliedern. Wenn die ersten Geigen im Kopfsatz wunderbar kammermusikalisch mit den Flöten arbeiten, wirkt das Klavier – von Szymanowski als Klangfarbe, nicht als Soloinstrument gedacht – bisweilen ausgegrenzt. Natürlich liegt auch die Bildersprache der Symphonie fantastique diesem in seiner Wortgewandtheit so erwachsenen Orchester. Getragen von einer herausragenden Holzbläsergruppe schwelgen die Polen in Berlioz' Traummalerei, ohne die großen Effekte dabei mit Detailvernachlässigung zu erkaufen – owacja na stojaco. Daniel Wixforth

POP

Emo-Rock: Good Charlotte

in Huxleys Neuer Welt

Vor ein paar Wochen, als Bad Religion im Huxleys gastierten, besuchten jede Menge treue Fans das Konzert der seit 30 Jahren bestehenden Punk-Rocker mit Nachwuchs. Am Freitagabend dominieren umgekehrt Teens im Emo-Look, viele mit den Eltern im Schlepptau. Aber auch die amüsieren sich bei Good Charlotte aus Waldorf, Maryland. Die Band um die eineiigen Zwillinge Benji und Noel Madden weiß, wie sie ihre Anhängerschaft begrüßen muss: „Thanks for havin’ us Berlin, we funkin’ love it!“ Und die stärksten Songs des neuen Albums „Cardiology“ lassen die Teenieherzen höher schlagen und die Älteren gediegen wippen, allen voran „It’s like her Birthday“ und „Sex on the Radio“. Angekündigt wurde das Werk als Punk-Rock, aber der partykompatible Popfaktor ist schwer zu überhören. Nach dem Auftakt stimmen GC den typischen Reigen aus Songs an, der irgendwie an Highschool-Filme wie „American Pie“ erinnert: eingängig geschrammelte Gitarrenriffs, rebellisch posierende und mit einem eindringlichen „Oh – Oh – Oh“ gepaarte Hooklines. Nach einer Luftholphase, die Benji alleine mit der Akustikgitarre bestreitet, prasseln die Viervierteltaktrhythmen der temporeichsten Songs älterer Alben in den halb vollen Saal. Schwach nur der Abgang: Ohne Zugabe geht es für Good Charlotte wohl ab ins Berliner Nachtleben. Martin Ernst

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