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KLASSIK

Salonparfüm: Youth Orchestra of the Americas im Konzerthaus

Mit Programmen wie diesem droht das Festival Young Euro Classic ins Unverbindliche abzudriften. Es ist nicht das einzige im Angebot. Aus der Weite des amerikanischen Kontinents rekrutiert sich das Youth Orchestra of the Americas, Mitglieder aus über 20 Staaten. Und was herauskommt, um im Konzerthaus zu gastieren, ist ein Streichorchester mit zwei Dirigenten. Der Chilene Felipe Hidalgo erweist sich als partnerschaftlicher Begleiter des Japaners Kotaro Fukuma, ChopinPreisträger von 2003, der seine Schule der Geläufigkeit in den Allegros des Klavierkonzerts BWV 1055 von Bach tanzen lässt. Eddy Marcano aus Venezuela darf das Hauptstück des Abends dirigieren, die Streicherserenade von Tschaikowsky, saubere Arbeit mit dem Orchester, der Walzer ein bisschen steifer als die folgende Èlégie.

Aber es bleibt zu fragen, warum die Musiker mit „Tourneeplan“ (darin offenbar Workshops in Schulen) reisen, wenn die weite Fahrt nach Berlin auf dem Podium nur zu Salonparfüm und musikalischer Spreu führt. YEC bietet Wichtigeres an Werken, Orchestern mit Dirigenten von Ruzicka bis Russell Davies, nicht zuletzt eine pädagogisch listige Fanfare von Iván Fischer. Hier gibt es nun „Last Round“ (siehe: Boxkampf) von Osvaldo Golijov, knarzigen Kontrapunkt und Tango, romantische Folklore, „Irish Tune“, von Percy Grainger oder eine galante „Fuga Criolla“ von Juan Bautista Plaza. Das mag in den jeweiligen Ländern seine Rolle spielen. Dem Festival-Motto „Hier spielt die Zukunft“ ist so viel Nostalgie wenig förderlich.Sybill Mahlke

KUNST

Mutter der Malerei: Giorgio Vasaris Zeichnungen in der Gemäldegalerie Gottlob nicht gänzlich unbeachtet zieht der 500. Geburtstag des Kunstschriftstellers, Malers und Architekten Vasari an den Staatlichen Museen vorüber. Das Kupferstichkabinett hat als Gast in der Gemäldegalerie einen Raum mit „Florentiner Zeichnungen des Cinquecento“ gefüllt (bis 21. August, Katalog 9,90 €). Recht so, hat doch Vasari eine ganze Theorie des disegno aufgestellt, derzufolge die Zeichnung die „Mutter“ der Malerei, Bildhauerei und Architektur sei. Er selbst hat unermüdlich gezeichnet. Ein besonders schönes, schwungvolles Blatt ist die „Verkündigung Mariens“ von 1545, eine weiß gehöhte Federzeichnung auf carta azzurra, auf blaugrauem Papier.

Die von Dagmar Korbacher besorgte Ausstellung mit dem Obertitel „Das Jahrhundert Vasaris“ folgt seinen Lebensdaten (1511–1574) und präsentiert Blätter von eigener Hand, dazu seiner Lehrer, Zeitgenossen und Schüler, auch der Konkurrenten wie Baccio Bandinelli, den Vasari mit dem abfälligen Urteil in seinen seit 450 Jahren gelesenen „Künstlerviten“ quasi aus der Geschichte verdrängt hat. Und wer kennt gar Carlo Portelli, dessen „Vertreibung der Wechsler aus dem Tempel“ doch ein exquisites Blatt jener bella maniera darstellt, die der Stilepoche den Namen gab: Manierismus? Da gibt es, wie der vorzügliche Katalog erläutert, noch einiges zu erforschen. Bernhard Schulz

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