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Klaus Hammer

KUNST

Wolkenbruch der Farben:

neue Gemälde von Walter Libuda

Unter dem Titel „Rücken zum Fenster“ stellt die Galerie Parterre Gemälde, Papierarbeiten, figurale Objekte und Bildkästen des Berliner Malers Walter Libuda aus den letzten zehn Jahren vor (Prenzlauer Berg, Danziger Str. 101, bis 11.9., Mi–So 14–20 Uhr). Wie beim Blick durch ein Vergrößerungsglas eröffnet sich dem Betrachter eine metaphernreiche Bildwelt mit Irrgärten, kühnen Bauten, Apparaturen und fremdartigen Geschöpfen – eine eigenen Gesetzen folgende „Schöpfungsgeschichte“. Die reliefartige Oberfläche von Libudas Bildern entsteht im Ringen mit der Farbmaterie, dem Farbbrei. Schicht wird neben Schicht gesetzt, neue Farbe darüber gelegt, gleichsam durchgeknetet. So schafft der Künstler einen malerischen Körper. Die schemenhaften Gesichter und Figuren sind eingesetzt in leuchtende, juwelenartig funkelnde Felder, ortlose Szenerien. Gegen die Auflösung der Malerei in Erinnerung setzt Libuda die schwere Körperlichkeit der malerischen Mittel, die Wolkenbrüche der Farbe und die Pinselschläge. Klaus Hammer

AUSSTELLUNG

Promis, Rotlicht und Polka: ein Rundgang durch Zürich-Aussersihl

Ein Siechenhaus, ein Hinrichtungsplatz, ein Galgenhügel befanden sich einst an diesem Ort. Abfälle wurden hier entsorgt und Tierkadaver. Aussersihl, das ist ein Quartier mit Geschichte. Der Stadtkreis vier in Zürich hat heute einen Ausländeranteil von 42 Prozent und ist bekannt für sein Drogen- und Rotlichtmilieu. Aber auch Max Frisch und der Maler Johann Jakob Biedermann haben dort gewohnt. Der Verein „Kult Zürich Ausser Sihl“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle diese Facetten zu zeigen und gastiert mit seinem Ausstellungsprojekt in der Berliner Malzfabrik (Tempelhof, Bessemerstr. 2–14, bis 8.9., Mi–So 14–20 Uhr). Ausgestellt werden nur Werke von Künstlern, die entweder in Aussersihl geboren sind, die dort gewohnt und gearbeitet oder zumindest das Quartier gestreift haben.

Dazu gehören die Brüder Eduard und Max Gubler, der Maler und Bildhauer Hans Aeschbacher, aber auch ein Interview mit Ruth Guggenheim, Tochter eines russischen Revolutionärs und einer Schweizer Jüdin. Ein Raum zeigt Architekturmodelle von Walter Ramseier und Walter Wäschle und Plastiken aus Federstahlbändern vom Künstlerduo Daniel Meili und Bruno Lötscher. Die kinetischen Kunstwerke lassen sich schwungvoll bewegen und erzeugen dabei einen leise sirrenden Klang. Der letzte Raum präsentiert Werke junger Künstler, bunt, ironisch, ausgefallen. Darunter befinden sich Neon-Schriftzüge des Kurators Silvio R. Baviera selbst, ein Polka-tanzendes asiatisches Pärchen, das sich unaufhaltsam auf einem Plattenspieler dreht und seltsame Hochzeitstorten. Auf einer thront anstelle eines Brautpaars das Manneken Pis. Rebecca Schindler

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