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Claudia Wahjudi

KUNST

Diktatur und Rebellion: Spanische

Politkunst in der Cuvrystraße

Künstler prüfen die Ikonen der Moderne gern auf ihre Tauglichkeit für die Gegenwart. In ihren Experimenten mit Corbusiers Formen oder Malewitschs Schwarz schwingen die alten Utopien mit, doch wird die Brutalität der damaligen Kämpfe selten explizit genannt. Anders im Kreuzberger Senatsreservenspeicher: Hier zeigen Santiago Sierra, Fernando Sánchez Castillo und das Duo Democracia aus Spanien „Die Revolution im Dienste der Poesie“ (Cuvrystr. 3–4, bis 3. 10.; Mi–So 14–20 Uhr). Den Ton gibt ein Video-Triptychon von Democracia an. Zu harten Beats stürmen junge Männer in roten Kapuzenjacken einen Friedhof in Madrid – und schlagen Saltos über den Gräbern von Kommunisten und Anarchisten sowie vor einem faschistischen Mausoleum. Die Revolution ist tot, sie starb in Francos Diktatur, die spanische Jugend jedoch birst vor Energie. Die anderen Arbeiten – darunter eine Plastik aus vergoldeten Barrikadenteilen – wirken dagegen seltsam steif.

Was Kunst vermag, beweist Santiago Sierra aber mit seinen Fototransparenten, an einem Nachkriegshaus in der Falckensteinstraße. Sie zeigen Teilnehmer seiner Aktionen und Kriegsveteranen: zwei Soldaten, mit dem Gesicht zur Wand, hoch über den Flaneuren der Kreuzberger Cafémeile. Sie sehen aus, als warteten sie auf ihre Erschießung. Claudia Wahjudi

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