KURZ  &  KRITISCH : KURZ  &  KRITISCH

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THEATER

Späte Liebe: „Ralph und Carol“

im Renaissance-Theater

Wie wird es sein, wenn wir alt sind? Ralph, Carol und Rose müssen sich das nicht mehr fragen: Sie sind es. Und sie kennen das Gefühl, dass jede Chance die letzte sein kann. Ralph sagt es: „Komisch, man denkt immer, im Alter hat man ganz viel Zeit, und dann ist die Zeit um.“ 80 ist er jetzt, ein Italiener in New York, und der, der ihn in Joe DiPietros Stück „Ralph und Carol – noch einmal verliebt“ am Renaissance-Theater darstellt, ist genauso alt. Otto Schenk hat den Opernregisseur hinter sich gelassen, jetzt will er nur noch auftreten. Und wie er das tut! Sein Ralph geht zwar gebückt, aber das in Jeans, und sein Humor ist so trocken wie ein reifer Spätburgunder. Tief in ihm drin steckt er noch, der Gigolo, der Opernsänger, der er hätte werden können, wenn seine Schwester damals den Anruf von der Met weitergeleitet hätte. Dieses nicht gelebte Leben spiegeln jetzt nur noch die Gesangseinlagen von Bariton Thomas Weinhappel. Was noch alles da ist, zeigt sich, als Ralph im Central Park Carol (Christine Ostermayer) anspricht, eine elegante, zerbrechliche, durchsichtige Altersschönheit. Doch über der kurzen, anrührenden Liebesgeschichte im milden Abendlicht der Bühne (Regie: Dieter Berner) liegt der Schatten von Ralphs Schwester Rose (Ingrid Burkhard), die den Bruder als Ehemannersatz benutzt. Der Kitschgefahr entgeht das kleine, feine Stück über späte Liebe und späte Eifersucht – es gibt kein Happy End (wieder vom 6.-11. und 16.-19.10.). Udo Badelt

KABARETT

Kauen macht glücklich:

Luise Kinseher bei den Wühlmäusen

Politische Kabarettistinnen kann man an einer Hand abzählen. Schön, dass sich alle Jahre wieder Luise Kinseher traut, ihre Münchner Gefilde Richtung Berlin zu verlassen. Im März durfte sie als erste Frau die berühmt-berüchtigte Fastenrede auf dem Nockherberg halten. In gleich fünf Frauenrollen stand sie jetzt mit ihrem Programm „Einfach reich“ auf der Bühne der Wühlmäuse, alle angestellt bei der Kabarett-Firma „Luise Kinseher“. Da ist Luise Kinseher selbst. Die hat von der Raffgier die Schnauze voll und sich eine Alm gekauft, inklusive Hütte und Kuh, dorthin will sie sich zurückziehen. Wenig erbaut über diese Idee sind ihre Mitarbeiterinnen. Die Pfennigfuchserin Frau Rösch rechnet vor, was das alles kostet, die herumprassende Frau Lachner sorgt sich um ihre Shoppingtouren. Den Vogel schießt aber die Maria ab: Sie war mal Multi-Millionärin und erzählt von ihren Zeiten in Beverly Hills mit einem ständig nervenden George Clooney. Ein schwungvolles Figurenkabarett, bei dem Kinseher virtuos die Rollen und Dialekte wechselt und auch im Dialog mit dem Publikum Spontaneität an den Abend legt. Und wenn alles keinen Sinn mehr macht, dann blicke man zur Kuh auf der Alm: Als Wiederkäuerin ist sie zufrieden mit dem, was sie hat – und für den Seelenfrieden reicht ausgiebiges Muhen (erst wieder am 21. 10. 2012 bei den Wühlmäusen). Martin Schwarz

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