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Claudia Wahjudi

MEDIENKUNST

Schwimmer auf dem Startblock:

Tina Bara im Haus am Kleistpark

Drei Mal nahm Tina Bara 2010 an Berliner Ausstellungen teil, beispielsweise an der Präsentation der Kandidatinnen für den mit 20 000 Euro dotierten Gabriele-Münter-Preis. Man durfte also auf die Präsentation der Leipziger Fotoprofessorin im Haus am Kleistpark (Grunewaldstr. 6-7, Schöneberg, bis 27. 11., Di-So 10-19 Uhr) gespannt sein. Bara, bekannt für ihre gewitzten Rollenspiele, bestreitet sie mit der Medienkünstlerin Alba d' Urbano. Doch jede Vorfreude ist umsonst. Bara und d`Urbano zeigen Fotoserien, Fotokombinationen und Videos, es soll um Schön und Hässlich, Reich und Arm gehen. Die Arbeiten handeln von Stasi, Jugend, Sport, Körpern, Kontrolle, Reklame, Hochzeiten, Töchtern, Müttern, Viscontis Villa und der Überlieferung von Frauenbiografien. Kurz: von viel zu viel. Perspektiven und Motive wirken brav, ebenso die Doku-Interviews mit ehemaligen Friedensaktivistinnen und die Attribute, die Weiblichkeit signalisieren sollen wie Kleid, Puppe, lange Haare. Direkt neben den ehemaligen Leistungsschwimmerinnen aus der DDR, die für die zentrale Fotoserie noch einmal auf Startblöcken posierten, steht der Tisch der Aufsicht, als gehöre er dazu, nebenan spiegeln sich Sonne und Lampen so stark in den Rahmen, dass ihr Licht das Abgelichtete fast tilgt. Verschenkt. Claudia Wahjudi

KLASSIK

Bratsche mit Kirchenkuppel:

Tabea Zimmermann im Konzerthaus

Die zahlreichen Bratschenkoffer an der Garderobe des Konzerthauses verraten: bei Tabea Zimmermann kann man immer etwas lernen. So ist der Kammermusiksaal bestens gefüllt - wobei die Studenten den üblichen Altersdurchschnitt um ein paar Jahrzehnte senken. Der Abend, den die Ausnahmebratscherin und Hanns-Eisler-Professorin mit Werken des 20. Jahrhunderts bestreitet, wird zum Triumph von Ton und Technik. Der Klang von Zimmermanns Instrument wirkt überlebensgroß, so dass man unwillkürlich nach einer im Instrument verborgenen Kirchenkuppel fahndet. Klavierbegleiter Daniel Heide gelingt es schon in der eröffnenden Sonate op. 25 Nr. 4 von Paul Hindemith, diesen Ton mit voluminösen, oft orgelartigen Klängen auszubalancieren. Zusammen mit Hans Werner Henzes Sonate von 1978 setzt das Stück den Rahmen für ein Programm, zu dem außerdem drei Nummern aus „Signs, Games and Messages“ von György Kurtág, ein Adagio von Zoltán Kodály und sieben frühe Lieder Alban Bergs gehören. Einen Kontrapunkt zu den allfälligen Bearbeitungen von Vokalwerken, mit denen Spieler stiefmütterlich bedachter Soloinstrumente ihr Repertoire anreichern, bieten die Berg- Lieder. Zwischen Klang und sprechendem Ausdruck, instrumentaler Objektivität und bildhaftem Ausdruck vermittelnd zeigt Zimmermann, dass derlei nicht in Süßlichkeit enden müssen. Carsten Niemann

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