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KURZ  &  KRITISCH : KURZ  &  KRITISCH

30.10.2011 16:48 Uhrvon

FILM

Kerzengerade: Gary McKendrys actionreiches Kinodebüt„Killer Elite“

Man schreibt die frühen achtziger Jahre. Der Kalte Krieg ist in Südamerika, Afrika und Nahost in seiner heißen Phase, und Männer wie Danny (Jason Statham) und Hunter (Robert De Niro) erledigen Auftragsmorde für die westlichen Geheimdienste. Aber das Attentat, das die beiden vorbereitet haben, endet in einem Fiasko. Danny hängt seinen Job an den Nagel. Wenige Jahre später wird er aus dem australischen Exil zurückbeordert: Hunter ist die Geisel eines omanischen Scheichs geworden. Zur Befreiung soll Danny die Männer liquidieren, die für die Morde an den drei Söhnen des Stammesfürsten verantwortlich sind und der britischen Spezialeinheit „Special Air Service“ (SAS) angehört haben.

Man darf sich also auf ein zünftiges Gemetzel einstellen. Doch Gary McKendrys Regiedebüt „Killer Elite“ hebt sich von den herkömmlichen Ballerfilmen ab. Innerhalb der Genregrenzen findet der nordirische Regisseur einen eigenen Erzählrhythmus, der die Actionszenen mit der Vorbereitungsdramaturgie traditioneller Coupfilme kreuzt. Der Film beruht auf einem Roman von Sir Ranulph Fiennes, der in den siebziger Jahren selbst beim SAS diente und sein Buch als „factual“ bezeichnet. Das macht aus „Killer Elite“ noch längst keinen Politthriller, doch einen kerzengeraden Actionfilm. Martin Schwickert

JAZZ

Superschräg: das Freistilkollektiv Pyramids im Kater Holzig

Jazz ist ja diese Musik, die schon komisch riechen oder tot sein soll. Dabei gibt es immer mehr Indiekids und Clubgänger, die von Sun Ra und Coltrane schwärmen und zu Mingus swingen. Nun taucht mit den Pyramids das wohl mysteriöseste aller kosmischen Freistilkollektive aus der afrofuturistischen Jazzrevolution in den Siebzigern wieder auf. 1972 in Yellow Springs, Ohio, gegründet, nahm die Studentengruppe, die sich in einem Seminar des Freejazzpioniers Cecil Taylor kennenlernte, in fünf Jahren drei Alben auf, die als Privatpressungen in Kleinstauflage erschienen waren und 2009 als CDs wiederveröffentlicht wurden.

Nach über 30 Jahren hat sich die Band reformiert und nun steht sie im Bar-25-Nachfolger Kater Holzig, das mit seinem Durchgangslagercharme der rechte Ort für ein prächtiges Freakoutspektakel zu sein scheint. Bandleader und Altsaxofonist Idris Ackamoor gibt im schillernden Discoglitzerkostüm den Zeremonienmeister, der seine vier Mitspieler an Kontrabass, E-Bass, Schlagzeug, Congas, ein wenig Sampleelektronik und einem Sammelsurium exotischer Instrumente (Gongs, Bambuströten, Muschelhörner etc.) zu Höchstleistungen anspornt. Afrikanisches wird mit klassischem Jazz verbunden.

Dabei entsteht eine Dynamik, die neben hypnotischen Passagen immer wieder Raum lässt für lyrische Melodien und urkomische Stegreifimprovisationen. Dann aber wieder rein ins Feuer: Ackamoor pumpt die Backen auf und glänzt mit einem Knattersolo, während der Bass ein Quentchen Ordnung in den tausendfüßigen Rhythmus bringt und sich alles zu einem ekstatischen Inferno verdichtet. Nach 100 Minuten sind nicht nur alle bösen Geister vertrieben, sondern alle Anwesenden himmlisch-besoffen-glücklich. Volker Lüke

FILM

Trashig: das japanische Musical „Underwater Love“

Ein Softporno mit japanischen Fabelwesen? Ein Musical mit Songs von Stereo Total? Ein Trashfilm mit den luxuriösen Bildern des Kameramanns Christopher Doyle (u.a. in Wong Kar-Wais „In the Mood for Love“)? „Underwater Love – A Pink Musical“, die erste Eigenproduktion von Rapid Eye Movies, liegt eine hübsch krude Zutatenmixtur zugrunde. Das kleine Kölner Label hat sich in den letzten Jahren sehr verdient gemacht um den Import asiatischer Filme, nun hat man gemeinsam mit den japanischen Produzenten Kokuei Company einen unmöglichen Film gemacht, ein Low-Budget-Mix aus Sex, Songs und einem Sumpfmonster.

Asuka (Sawa Masaki), nicht mehr ganz jung, wird bald ihren Chef heiraten. Doch eines Tages trifft sie unweit der Fischfabrik, in der sie arbeitet, einen Kappa. Er gibt sich als Aoki (Yoshiro Umezawa) zu erkennen, Asukas vor vielen Jahren ertrunkene Jugendliebe, wiedergeboren als triefendes, halbamphibisches Fabelwesen. Und es ist kein Zufall, dass Aoki ausgerechnet jetzt auftaucht. Er hat dem Gott des Todes beim gemeinsamen Schnaps ein Geheimnis entlockt. Die Frage ist: Kann die alte Liebe über den Tod triumphieren? Es ist reizvoll, dass Christopher Doyle seine Fähigkeiten jetzt ausgerechnet der niedersten Form des Films zur Verfügung stellt. Die Tradition der japanischen „Pink Movies“ ist allerdings kaum zu vergleichen mit den Softpornos des Westens: Sie sind selten vulgär, aber voller Ironie; manchmal ein wenig albern, oft gebrochen in ihrer Erzählhaltung; vor allem aber waren sie immer auch eine Spielwiese für die Experimente junger Filmemacher.

So muss man auch „Underwater Love“ verstehen: als Spiel mit Zutaten. Kein Film also, in den man sich versenkt: Es geht nicht um die Herstellung einer Illusion, sondern um den Enthusiasmus, die Freiheit, den Witz einer Independantproduktion. Sebastian Handke

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