KURZ  &  KRITISCH : KURZ  &  KRITISCH

Jens Hinrichsen

KUNST

Vielfältig: Aquarelle von Heckel und Schmidt-Rottluff im Brücke-Museum

„Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt.“ Kaum ein Medium scheint geeigneter als das Aquarell, diese Forderung der Expressionistengruppe „Brücke“ einzulösen. Mit Karl Schmidt- Rottluff und Erich Heckel zeigt das Brücke-Museum zwei Meister des Aquarells, deren Umgang mit Wasserfarbe so souverän wie individuell erscheint (bis 27. 11. bzw. 11. 3. 2012, Bussardsteig 9, Mi - Mo 11 - 17 Uhr). Die 30 von Schmidt-Rottluff gezeigten Aquarelle stammen aus Beständen des Museums. Während die „Birkenstämme“ aus dem „Brücke“-Gründungsjahr 1905 noch impressionistisch flirren, wird die Farbenpracht von Bildern wie „Angler auf der Brücke“ von 1934 und „Verschneite Tannen“ aus den sechziger Jahren durch kräftige Umrisslinien gerahmt. Das letztgenannte Spätbild wirkt fast abstrakt.

Variantenreicher zeigt sich das Medium bei Erich Heckel, der mit fast 70 Werken die Doppelausstellung dominiert. Die stilistische Vielfalt seiner Malweise reicht von der elegant-verspielten Linienführung („Am Tiber“, 1909) bis zu unruhig zerrissenen Farbflächen („Ballspielende“, 1927). Interessant einige Beispiele, in denen zur Aquarellmalerei eine spätere Version in Öl oder Tempera tritt. Mit Wasserfarben herrscht an der „Brücke über der Au“ (1921) eine nervösere, bedrohlichere Stimmung als in der harmonischeren Fassung, die Heckel 1922 in Öl malte. Die Präsentation der Heckel-Abteilung wirkt allerdings beliebig. Sie ist weder chronologisch noch konsequent entlang typischer Themen wie „Zirkuswelt“, „Badende“ oder „Stadtansichten“ gegliedert. Jens Hinrichsen

KUNST

Fahrig: Die Künstlerkooperative Khoj in der ifa-Galerie

Im indischen Delhi legen 600 000 Fahrradrikschas 15 Millionen Kilometer am Tag zurück. Autos würden für die Strecke 500 000 Liter Benzin verbrauchen. Diese Rechnung haben die Stuttgarter Künstler Sylvia Winkler und Stephan Köperl aufgemacht, als die Stadt 2010 überlegte, die Rikschas aus den Straßen zu verbannen. In der ifa-Galerie können Besucher nun per Video durch Delhi radeln. Die Arbeit entstand in Kooperation mit der indischen Künstlergruppe Khoj und ist im Rahmen der Ausstellungsserie zu Künstlernetzwerken zu sehen. Khoj wurde 1997 in einem Außenbezirk von New Delhi gegründet. Bei regelmäßigen Workshops findet ein Austausch über die hochsensiblen Grenzen Südasiens hinweg statt. Hier entwickeln Künstler aus Pakistan, Sri Lanka, Bangladesh oder Singapur gemeinsam Projekte (bis 22. 1., Linienstr. 139/140 Di - So, 14 - 19 Uhr). Ein Video von Bani Abidi macht sich lustig über die Vorurteile, die zwischen Pakistani und Indern bestehen. Allerdings ist diese vermittelnde Arbeit schwer darzustellen, die Ausstellung zerfällt in Inseln.

Eine Verbindung zu Berlin zieht Nikhil Chopra. Auf die Wand der ifa-Galerie hat er die Aussicht in die Linienstrasse gezeichnet: das Haus gegenüber, die Baustelle, ein einsames Fahrrad, das am Laternenpfahl lehnt. Immerhin: In Berlin Mitte wird ein Viertel der täglichen Fahrten mit dem Fahrrad erledigt. Simone Reber

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