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Zurück zu den Wurzeln. Billy Corgan, Chef der Smashing Pumpkins. Foto: dapd
Zurück zu den Wurzeln. Billy Corgan, Chef der Smashing Pumpkins. Foto: dapdFoto: dapd

THEATER

Vom heiligen Bob: „Lady Lay“

im English Theatre

Eine Erkenntnis kann man aus Lydia Stryks Liebeserklärung an Bob Dylan getrost mitnehmen: Er ist doch nicht nur ein Halbgott für Männer. Das Stück soll auf einer wahren Story basieren, sprich: Berliner Beamtin hört Radio und hat eine Erleuchtung. Es ist das Jahr ’89 und „revolution in the air“. Die Marianne vom Arbeitsamt wird von der unnachahmlichen Stimme aus ihrem Büro-Elend gerissen, sie hortet Dylan-Alben, reist ihm nach, sammelt Devotionalien und fühlt sich auch erotisch geweckt. Am Ende – aber ein Schluss ist das nicht, weder Schock noch Happy End – wandert sie nach Amerika aus. „Lady Lay“, in der Regie von Günther Grosser uraufgeführt im English Theatre (Fidicinstraße 40, bis 2.12.) kommt daher wie ein Märchen. Sylvia Schwarz spielt das Bob-verrückte Aschenputtel so fröhlich-naiv, dass man ihr eher eine Abba-Manie zutraut. Dylanologen können die Dialoge mitmurmeln. Die Lady, die sich für Bob flachlegt, spricht bald nur noch in Song-Zitaten. Und Bob D. tritt auch noch auf, ein Gitarrenmann im langen Mantel mit Hut (Joe Czarnecki). Wer den 70-Jährigen kürzlich im Konzert erlebt hat, weiß: Dylan zu lieben, das ist kein kleiner Theaterspaß, das ist knallharte Realität. Rüdiger Schaper

NEUE MUSIK

Zum Abtanzen: Der Start des C3-Festivals im Berghain

Wenn Berlins Orchester und Chöre zeigen wollen, dass sie im Hier und Heute leben, treten sie gerne im Berghain auf. Meistens schmücken sie sich dann aber doch nur mit der coolen Umgebung. Klassische Musik und Clubmusik bleiben sich dabei weiterhin fremd, ohne zu etwas Neuem zu verschmelzen, was man „Musik der Gegenwart“ nennen könnte.

Die am Mittwoch im Berghain eröffnete dritte Ausgabe des C3-Festivals bringt uns da allerdings auch nicht weiter. Weil jetzt das Pendel zur anderen Seite ausschlägt und elektronische Musik allein den Ton angibt. Pierre Jodlowski präsentiert eine Soundcollage aus Wellenrauschen, Donnergrollen und Splatter/Porno-Filmen, die ratlos zurücklässt. Kai Schumacher lässt sich – keine neue Methode – von selbst eingespielten Loops am Klavier begleiten. Anregender ist da der Pop-Handwerker Arandel, der mit seinem Stück „In D“ richtig gute Tanzmusik macht, „klassische“ Instrumente wie Saxofon, Querflöte, Klavier und die menschliche Stimme einsetzt und dabei die Stilrichtungen durchdekliniert: Dubstep, Breakbeat, House. Es dauert, doch am Ende bekommt er damit alle auf die Tanzfläche. Doch auch hier machen die Clubmusiker letztlich nur ihr Ding. Dass das etwas mit Neuer Musik zu tun hätte, bleibt Behauptung. Die Verschmelzung der Künste, vielleicht ist sie in den verbleibenden Festivaltagen bis Sonnabend noch zu erleben (Infos: www.c3festival.de). Udo Badelt

ROCK

Flackern und Quietschen:

Smashing Pumpkins im Tempodrom

Nur noch Frontmann Billy Corgan ist von der Originalbesetzung der Smashing Pumpkins übrig geblieben. Er sieht im aktuellen Album „Teargarden By Kaleidyscope“ so etwas wie eine Heimkehr zu den Wurzeln der Band und streut einige der neuen Stücke ins Programm. Auf dem Siedepunkt ihres einzigen Deutschland-Konzerts im gut gefüllten Berliner Tempodrom dominieren dann allerdings Hits aus den Frühzeiten der Smashing Pumpkins wie „Tonight Tonight“ oder „Cherub Rock“. Auf extravagante Kostümierung hat der Mann mit der Glatze diesmal verzichtet. In Lederschuhen, Jeans und Shirt zelebiert er einen Sound mit Wiedererkennungswert: zahlreiche ebenso verspielte wie eingängige Melodien, ins Sphärische ausufernde Gitarrensoli, ohrenbetäubende Rückkoppelungen. Dazu gesellen sich in „Astral Planes“ und „Lightning Strikes“ psychedelisch schimmernde Synthezisereffekte. Optisch getragen wird das Spektakel von einer mystisch angehauchten Lichtshow. Zwei Stunden lang flackert ein Farbspektrum im Hintergrund, höchstens zwischen den Songs kommt es für Sekunden zur Ruhe. Bei der Zugabe, dem 90er-Hit „Zero“, flattert Billy Corgan eine Berliner Flagge vor die Füße. Doch damit kann der 44-Jährige offenbar wenig anfangen. So tritt er an den Bühnenrand und klatscht mit den Fans. Martin Ernst

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