KURZ  &  KRITISCH : KURZ  &  KRITISCH

Andreas Hartmann

HIP HOP

Gute Laune für alle:

De La Soul im Astra

Los geht es mit dem Loop aus „Walk on the wild side“ von Lou Reed. Ja, klar, man kennt den Hip-Hop-Klassiker, der auf diesem Sample aufbaut: „Can I kick it?“. Sofort gehen alle Hände in die Höhe. Doch dann fragt man sich kurz irritiert, ob man bei der falschen Veranstaltung gelandet ist. Denn das Stück ist ja gar nicht von De La Soul, sondern von der anderen legendären Hip-Hop-Combo aus New York, von A Tribe Called Quest.

Mit dieser respektbezeugenden Geste macht De-La-Soul-DJ Maseo klar, dass es hier nicht um das im Hip Hop übliche Dissen geht, sondern um den Geist der Gemeinschaft, den De La Soul und A Tribe Called Quest in den Endachzigern beschworen haben. Die Combos waren Anführer der Native-Tongue-Bewegung, die dem aggressiven Gangsta-Rap-Getue positive Werte entgegensetzen wollten.

Die Stimmung im Astra ist von der ersten Minute an blendend, und im Laufe des Konzerts machen De La Soul klar, dass sie nur hier sind, um für das zu sorgen, was der Techno-DJ Sven Väth einmal „gude Laune, Alter“ nannte. Immer wenn der Stimmungspegel zu sinken droht, wird das Publikum zu Arme-in-die- Höhe-Spielchen animiert oder gefragt, ob man eine Party wolle, was definitiv bejaht wird. Das ist also auch Hip Hop, wird sich mancher jüngere Zuschauer denken, der mit Bushido und 50 Cent aufgewachsen ist. Zwei gemütliche Rapper und ein DJ im Familienvateralter wollen einfach Spaß haben. Ganz ohne Knarren, Bikinimädchen und Gewaltphantasien. Ein gutes Konzept.Andreas Hartmann

KUNST

Leitern ins Nichts: Konzeptkunst

in der Daimler Art Collection

Ein seltsamer Park lädt im Haus Huth zum Flanieren ein. Schwarze Metallbäume hängen von der Decke, und was wie Herbstlaub herumliegt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als geometrisch geschnittenes, geknicktes Wachspapier. Konzeptuelle Kunst kann atmosphärisch sein – wie hier im Fall einer Installation von Martin Boyce –, sie kann verspielt, witzig und vielfarbig daherkommen. Die Daimler Art Collection überrascht mit „Konzeptuellen Tendenzen von den 1960ern bis heute“ (Alte Potsdamer Straße 5, bis 18.3., Mo–So 11–18 Uhr).

Zeichensprachen, Offenlegung von Werkprozessen, rationale bis irrationale Ideen, Werke, die den Betrachter mit einbeziehen: Die Sammlung präsentiert die Vielfalt einer Kunstrichtung. Und natürlich die Helden der ersten Stunde. Mit Joseph Kosuth grüßt gleich zu Beginn ein Klassiker der Konzeptkunst. Aus verschiedenen Schrift- und Zeichentafeln besteht die Arbeit „The Square Root of Minus One No. 6“ (1988), Teil einer Werkgruppe zu den Schriften und der Bedeutung Freuds. Zur selben Künstlergeneration wie Kosuth zählen Robert Barry, Hanne Darboven oder Daniel Buren. Unter den jüngeren Künstlern der Ausstellung überzeugt Ceal Floyer mit ihren humorvoll-kritischen Reflexen auf die als trocken verschriene Concept Art. Darunter eine Leiter, aus der (fast) alle Sprossen wegrationalisiert wurden und ein säulenartiger Papierstapel, auf dessen oberstem Blatt ein Text behauptet, es handle sich um die 8680. Seite von 8680 Seiten. Nachprüfen lässt sich das kaum. Jens Hinrichsen

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben