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Jens Hinrichsen
Wunderdünen. Markus Wirthmanns „Äolik in der Streusandbüchse“. Foto: Museum
Wunderdünen. Markus Wirthmanns „Äolik in der Streusandbüchse“. Foto: Museum

KUNST

Rieselnd: Markus Wirthmann

im Georg-Kolbe-Museum

Zum dreizehnten Mal seit 2009 beweist Ausstellungsleiter Marc Wellmann, dass man die Vielfalt des Skulpturbegriffs – nach und nach – in einem winzigen Projektraum unterbringen kann. In der Kunstkammer heißt es jetzt Düne frei! für Markus Wirthmann und seine „Äolik in der Streusandbüchse“, ein Kleinlabor zur Produktion von Wüstenlandschaften (Sensburger Allee 25, bis 5.2., Di-So 10-17 Uhr).

Wirthmanns Expeditionen finden bevorzugt im Niemandsland zwischen Kunst und Wissenschaft statt. „Küchenwissenschaften“ nannte der Künstler eine farbkräftige Serie von Bildern aus Balsamico-Essig, Öl, Senf und anderen Ingredienzen. Lange vor Olafur Eliasson, im Jahr 2000, holte der 1963 in Aschaffenburg geborene Wirthmann den Wasserfall in den Kunstkontext – in einem stillgelegten Kraftwerk bei Dessau.

Ein vergleichbares, ebenso antibildhauerisches Material ist der Sand, der Wirthmann während eines Aufenthalts in der Namib-Wüste so faszinierte. Seine Miniaturwüsteneien produziert er auf fünf Etagen eines Metallregals, in dessen Böden Löcher gebohrt sind. Sand aus vier Behältern rieselt unablässig herab und bildet von Regalbrett zu Brett reizvolle Dünenlandschaften. Dabei wirkt die unspektakuläre, selbst nach den Maßstäben eines mittelprächtigen Billy-Aufbaus windschiefe Installation außerordentlich sympathisch. Ein lässiges Kunstkammerspiel mit Sand. Jens Hinrichsen

ARCHITEKTUR

Beamtisch: Das neue Jahrbuch

der öffentlichen Bautätigkeit

Mit der Architektur geht es zu Ende. Der Klimawandel und die Not, ihm Einhalt zu gebieten, schiebt sie beiseite. So jedenfalls muss der Leser denken: „Die Bundesregierung hat mit der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie und dem Energiekonzept die Rahmenbedingungen für unsere zukünftige Entwicklung vorgezeichnet. Herzstück des Energiekonzeptes ist die Modernisierungsoffensive für Gebäude“, schreibt Bauminister Peter Ramsauer im Vorwort des Jahrbuchs des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung.

Was sich die Baubürokratie unter Energieeinsparung vorstellt, kann man landauf, landab an sanierten, mit Dämmplatten zugekleisterten Häusern ablesen. Davon ist in der neuen Ausgabe von „Bau und Raum“, dem renommierten Handbuch öffentlichen Bauens, nicht die Rede. Doch hat mit dem Band 2010/11 das Thema „Energetisches Bauen“ Einzug gehalten (Jahrbuch Bau und Raum 2010/11, 212 S., 19,90 € im Buchhandel oder per Mail über selbstverlag@bbr.bund.de).

Die Kultur des öffentlichen Bauens in den zehn, fünfzehn Jahren nach der Wiedervereinigung gerät unter Druck. Gewiss, es ist nicht mehr aus der Fülle der vorangehenden beiden Jahrzehnte zu schöpfen. Doch dass im Jahrbuch manche Projekte in Simulationen vorgestellt werden, ist kein guter Stil. Immerhin handelt es sich um Projekte wie die BND-Zentrale von Jan Kleihues – das teuerste Einzelbauvorhaben des Bundes überhaupt – oder der Weiterbau des Lüders-Hauses des Bundestags bis an die Luisenstraße, den Stephan Braunfels als Abschluss lange gefordert hat und nun endlich verwirklichen kann. Bauten sollten ur Bescheibung fertig gestellt sein, und Urteile sollten unabhängige Kritiker fällen. Stattdessen sind im neuen Jahrbuch etliche Beschreibungen aus Politiker- und Beamtenfedern zu lesen. Bernhard Schulz

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