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KLASSIK

Abwarten und Tee trinken:

Weltblech im Kammermusiksaal

Nanu, was ist da los? Der viel gepriesene dehnbare Klang, wo ist er hin? Bei ihrem traditionellen Neujahrskonzert drehen Weltblech mächtig auf, es dröhnt, scheppert und schneidet in den Ohren. Ist der Kammermusiksaal vielleicht doch zu klein für zehn Blechbläser (plus Barry Jurjus am Schlagzeug)? Zwar kitzelt das Ensemble immer noch bewundernswert viele Klangnuancen aus den Arrangements, aber letztlich dominiert doch immer dieselbe Klangfarbe.

Unter dem Titel „Rule, Britannia!“ werden Werke aus England präsentiert, dem „Land ohne Musik“, wo zwischen Händel und Britten kein Komponist von Bedeutung gelebt haben soll. Das Programm bestätigt das: Die Stücke stammen aus der Barockzeit oder dem 20. Jahrhundert. Die Stimmung im Saal kommt nur schleppend in Gang, die lauwarme Moderation von Shawn Grocott mag ihr Übriges dazu tun. Erst nach der Pause wird’s besser. Jetzt kommen die Weltblech-Qualitäten zum Tragen: der reine Klang, die hervorragende Koordination, auch die Dynamik ist zurückgefahren, die Posaunen gewinnen im Marsch aus Holsts „Suite in F“ die Intimität von Holzbläsern.

Am Ende steht Henry Woods „Fantasia on British Sea Songs“ – Musik, die sich am besten mit dem Adjektiv „nett“ beschreiben lässt. In manchem Klischee steckt eben doch ein wahrer Kern. Udo Badelt

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