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Volker Lüke

ROCK

LSD-Landschaft mit Spiralenteppich:

The Bevis Frond im Bassy

Leute, die länger durchhalten, muss man gelegentlich neu vorstellen: Nick Saloman gehört zu den Musikern, die gewillt sind, Psychedelia nicht nur zu träumen, sondern auch mit härteren Mitteln durchzusetzen, wenn es dem guten bewusstseinserweiternden Zweck dient. Seit über 25 Jahren reist das gute Gewissen der britischen Psychedelic-Rock-Szene als The Bevis Frond durch blühende LSD-Landschaften und spielt dabei eine wunderbar verzwirbelte Musik, deren Verbindung von Byrds-Harmonien, Hendrix-Wirbeln und Wipers-Power eine bleibende Leistung ist. Nach ungefähr 25 Alben, von denen er 17 allein aufgenommen hat, hat sich der 58-jährige Londoner nach siebenjähriger Auszeit noch mal zu dem Doppelalbum „The Leaving Of London“ aufgerafft.

Beim Auftritt im Bassy wird der grundsympathische Späthippie mit dem großen Bauch und ergrautem Langhaar von der Sorte einschlägiger Gestalten unterstützt, die selbst im dicksten Soundnebel nicht die Orientierung verlieren: Neben seinem alten Kumpel Adrian Shaw, der mit seinem Bass aus dem Treiben etwas Treibendes macht, sind noch Dave Pearce am Schlagzeug und Paul Simmons an der zweiten Gitarre dabei. Konzentriert rollt das Quartett einen spiralförmigen Soundteppich aus, der immer weiter ausufert. Eingängige Melodien und vertrackte Akkordfolgen werden in unnachahmlicher Bevis-Frond-Manier durch den Wolf gedreht und in pure Schönheit verwandelt.

Das Ganze ist dicht in sich geschlossen, doch mit Platz an den richtigen Stellen für ausgedehnte Gitarrensoli. Und was da über zwei Stunden lang aufrecht und lakonisch zwischen Kontrolle und Ausbruch steht, ist das ewige, hypnotische Wechselspiel von Spannung und Entspannung. Rock in seiner ergreifendsten Form. Maximale kathartische Befreiung, betäubend bis elektrisierend. Das lässt kein psychedelisches Pyramidenauge trocken und wärmt das Herz wie guter Schnaps an kalten Tagen.Volker Lüke

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