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THEATER

Partyschreck: Die Performance

„Und ich weine, wenn ich will

In Blake Edwards' Film „Der Partyschreck“ von 1968 gerät ein gefeuerter indischer Komparse in Hollywoods feine Gesellschaft. Der tollpatschige Hrundi Bakshi, von Peter Sellers gespielt, verwandelt die Feier eines Studiobosses in eine Orgie der Anarchie: die Toilette läuft über, die Gäste stürzen in den Pool, eine Balalaika-Band spielt den Soundtrack zur Entgleisung. Ein Fest der Schadenfreude. Die Münchner Gruppe „Die bairishe Geisha“ – die im Kern aus Eva Löbau und Judith Huber besteht – hat diesen Klassiker der Katastrophenseligkeit in die Performance „Und ich weine, wenn ich will“ verwandelt ( 12.2., 20 Uhr, Theaterdiscounter).

Mit Charlotte Pfeifer und Christoph Theußl assoziieren sich die Geishas durch einen sprühend-hintersinnigen Partyabend, der Motive aus Edwards’ Werk aufgreift und lustvoll mit der eigenen Biographie kurzschließt: Momente der Schamesröte aus der Kindheit, Lachen als Überlebensstrategie, beiläufiger Sexismus, Demütigungen im Beruf. Großartig allein die Passagen, in denen Löbau und Huber die Hassliebe zwischen dem Regisseur und Sellers am eigenen Beispiel spiegeln und sich zur Überwindung ihrer Humordifferenzen einen Gruppentherapeuten hinzuziehen (von Theußl großartig gespielt). Der dringt mit Fragen wie „Bedeutet Stuhlgang für Sie Verlust?“ tief in die Performerinnen-Seele. Bevor der Abend dann mindestens so schräg-schön kippt wie die Feier in der Hollywood-Villa.Patrick Wildermann

KLASSIK

Abrupte Stimmungswechsel: Jonathan Darlington im Konzerthaus

Immer wieder bekämpfen gerade englische Dirigenten das Klischee, die britische Musikkultur speise sich vor allem aus Importen. Frisch ans Werk mit dem Konzerthausorchester ging am Freitag der Londoner Jonathan Darlington. Abgesehen von Brittens vier Zwischenspielen aus „Peter Grimes“, die das Orchester mit einigen arhythmischen Störungen herunterriss, gelang Darlington die Rehabilitation seiner Landsleute erst bei Elgars Enigma-Variationen zum Finale. Dessen keckes Rätselspiel fordert äußerste Präzision, die besonders im Blech ohne Fragezeichen blieb; Klarinetten- und Fagottsolisten entfalteten einen edlen Ton. Nur am Zusammenspiel hakte es häufig – wohl auch wegen der Sitzordnung: Kontrabässe und Celli saßen so weit entfernt, dass sie sich kaum gehört haben können.

Das Hauptproblem lag indes beim Dirigenten selber: Darlington entwickelte seine Dynamik immer nur aus dem Moment, nur selten in Zusammenhängen.

So verstörten viele abrupte Stimmungswechsel, die vor allem zwei Konstanten hatten: ein zähes Fortissimo, das sich wegen seiner Penetranz kaum entwickeln konnte. Oder ein sprödes Piano, das lapidar blieb. Mitgebracht hatte Darlington Bratschenstar Tabea Zimmermann, die erst im zugegebenen Hindemith eindrucksvoll beweisen konnte, was ihr Instrument zu sagen hat. Im Solokonzert von William Walton dagegen vermochte nicht einmal sie einen Schatz zu heben. Trotzdem führte sie ihren weltberühmten gesanglich-leichten Ton zu einer Perfektion, dass es Spaß machte, ihr zuzuhören. Christian Schmidt

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