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AUSSTELLUNG

Mühelos durch alle Zeiten:

Hedwig Bollhagens Baukeramik

Mit dem Namen Hedwig Bollhagen (1907 - 2001) verbindet sich vor allem ihre Gebrauchskeramik, das blau-weiße Geschirr, das sich nach der Wende in ganz Deutschland großer Beliebtheit erfreute. Das Charlottenburger Keramik- Museum holt deshalb nun in Zusammenarbeit mit der Hedwig Bollhagen Gesellschaft einen in Vergessenheit geratenen Teil ihrer Arbeit ins öffentliche Bewusstsein zurück (Schustehrusstr. 13, bis 13. 8., Fr–Mo 13–17 Uhr). Unter dem Titel „Hedwig Bollhagen. Baukeramik und Denkmalpflege“ zeigt es Zeichnungen, Bauteile und Formen aus verschiedenen Jahrzehnten. Bollhagen nahm sowohl im „Dritten Reich“ als auch in der DDR und später im vereinten Deutschland bedeutende staatliche Aufträge an. So brannte sie 1942 in ihren HB-Werkstätten in Marwitz die von Charles Crodel entworfenen Kacheln für das Heereszeugamt in Spandau. Außerdem werden Fliesenmedaillons nach einem Entwurf von Heidi Mantey für das „Haus des Lehrers“ präsentiert, die ebenfalls von Bollhagen gebrannt wurden. Für diese Arbeit erhielt die Künstlerin 1969 die Auszeichnung „Erbauer des Stadtzentrums“.

Die Grande Dame der Keramik arbeitete darüber hinaus mit dem Bildhauer Waldemar Grzimek an der Ausschmückung der Waldsiedlung Wandlitz und schuf einfache Kachelmuster für das heutige Geschwister-Scholl-Gymnasium in Fürstenwalde. Bauteile aus dem Anhalter Bahnhof und dem Märkischen Museum zeugen davon, dass sie zugleich für die Denkmalpflege tätig war. Die Ausstellung zeichnet zwar ihr baukeramisches Schaffen seit den Dreißigern nach, ignoriert jedoch die historischen Zusammenhänge. Hier wird kommentarlos eine Bollhagen gezeigt, die Bedeutendes geleistet, sich aber auch scheinbar mühelos in drei verschiedenen Systemen behauptet hat. Annika Brockschmidt

KUNST

Ossi, Wessi, Stressi: Dan und

Lia Perjovschi in der ifa-Galerie

Dan Perjovschis kleine Zeichnungen tragen die großen Themen der Welt in sich. Aus schwarzen Strichen auf weißer Oberfläche werden politische Kommentare: „Ossi, Wessi, Stressi“. Der rumänische Künstler ist für seine an Toilettensprüche erinnernde Ästhetik international bekannt; seine Wandzeichnungen waren etwa im New Yorker Museum of Modern Art und auf der Biennale in Venedig zu sehen. Die ifa-Galerie (Linienstr. 139/140, bis 15. 4.; Di–So 14–19 Uhr) hat ihn und seine Frau Lia Perjovschi nun erneut eingeladen. Die Reihe „Solo für ...“ zeigt Künstler, die schon in den Neunzigern hier ausgestellt haben. Lia Perjovschi erstellt anhand von buntem Flitter, Zollstöcken, Mindmaps und Lexikoneinträgen ihr „Knowledge Museum Kit“ entlang eines Zeitstrahls. Es entsteht eine Collage, in der sich Kunst, Wissenschaft und das Universum zu einer großen Erzählung verbinden. Passenderweise beschreibt die Künstlerin sich selbst eher als Kunstforscherin. 1990 gründete sie mit ihrem Mann das „Contemporary Art Archive“ in Bukarest, das sie noch immer leitet.

Auch Dan Perjovschis Ausstellungsbeitrag „Daily, Weekly, Monthly“ besteht aus einer Sammlung. Er zeigt Zeichnungen, die er einst für die rumänische Zeitschrift Revista 22, das Art Magazin oder Sonderhefte seiner bisherigen Ausstellungen schuf. Obwohl Dan und Lia Perjovschi noch nie zusammen gearbeitet haben, stecken ihre Kunstwerke voller Gemeinsamkeiten: Beide schaffen mit wenigen, kleinen Elementen einen Kosmos, der überschaubar und grenzenlos zugleich ist. Katrin Gottschalk

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