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KURZ  &  KRITISCH : KURZ  &  KRITISCH

20.02.2012 00:00 Uhrvon
Bevor der Computer laufen lernte. „Weise 7“ im Raumlabor. Foto: Wikimedia CommonsBild vergrößern
Bevor der Computer laufen lernte. „Weise 7“ im Raumlabor. Foto: Wikimedia Commons

KLASSIK

Apokalyptisch grell: Simon Rattle

mit den Philharmonikern

„Wild herausfahrend“, so fordert die Partitur Gustav Mahlers, bricht der Schrecken des Jüngsten Gerichts in den ersterbenden Ausklang des „Urlicht“-Liedes. Das Finale der zweiten Sinfonie bebt von einem Gestaltungswillen ohnegleichen. Apokalyptische Vision der Musik. „Aus weiter Ferne“ erklingen die Trompeten, um eine Vogelstimme einzulassen.

Es ist eine grandiose, glühende Interpretation der Berliner Philharmoniker, in der die Flöte von Andreas Blau diese Nachtigall singen lässt. „Langsam. Misterioso“ setzt der Rundfunkchor ein mit seinem wundersamen A-cappella-Pianissimo (in Mahlers Handschrift „PPP“): „Aufersteh’n“.

Unter der Leitung des Komponisten haben die Philharmoniker das vollständige Werk im Dezember 1895 uraufgeführt. Und es trifft sich, dass der heutige Chefdirigent Simon Rattle die „Auferstehungssinfonie“ mit elf kennen und lieben lernte. Diese Liebe inspiriert jede seiner Aufführungen, die stets Höhepunkte der Partnerschaft mit den Musikern sind. Bei aller Wildheit ist ein sehnsuchtsvoller Grundton in der Interpretation, Flexibilität von tiefen Streichern und großem Blech bis zu den einsam sich verhauchenden zweiten Violinen. Homogener Klang, Wunderhornpoesie: „Lieber möcht ich im Himmel sein“, von der Oboe Albrecht Mayers der Sängerin (Bernarda Fink) nachgeträumt.

Dramaturgisch weniger zwingend (als zum Beispiel 2010 mit Schönberg) ist hier die Kombination mit Hugo Wolf: zwei orchestrierte Klavierlieder und der lichte Frühlingschor, der eine Oper hätte einleiten sollen. Eine ehrenwerte Ausgrabung, die weggewischt wird von dem Wunderwerk Mahlers. Sybill Mahlke

KLASSIK

Sommerlich hell: Das Festival „All’Ongarese“ im Konzerthaus

Gastlichkeit überall: Mit dem kleinen, feinen, per Kartoffelchipstütenmimikry beworbenen Festival „All’Ongarese. Wie klingt Ungarn?“ begrüßt das Konzerthaus auch den ungarischen Dirigenten Iván Fischer, der im Herbst fest zum Orchester kommen wird. Fischer selbst unterdessen übernimmt beim Auftaktabend zum Festival den Willkommensgruß an das Publikum und setzt sich zu seinem Solisten Ádám Balogh auf die Bühne, einem „einfachen Musikschüler“, wie Fischer mit einigem Understatement und Stolz auf das ungarische Musikausbildungssystem erklärt. Der Vierzehnjährige spielt Klavierstücke von Béla Bartók, das „Spottlied“ oder das „Lied eines Betrunkenen“ und später den Solopart in Mozarts Klavierkonzert KV 488, mit dem Konzerthausorchester im Rücken, das im zweiten Satz ein betörend schönes Holz hören lässt.

Danach tritt für Bartóks „Sieben Stücke für Chor und Kammerorchester“ die knappe Hundertschaft des von Ferenc Sapszon Jr. einstudierten Budapester Mädchenchores der „Kodály Zoltán Magyar Kórusiskola“ an, in bestickten Bauernblusen, auswendig singend und über die Maßen aufmerksam. Abermals ist Fischers Umsicht zu bewundern, die Dämpfung des Orchesters gegen die zarten Mädchenstimmen und das ganz unchefdirigentische, stille Mitdeklamieren, damit hier alles super läuft. Der Knaller ist Brahms’ zweite Sinfonie, mit der kuriosen Vorab-Gabe des 14. Ungarischen Tanzes, den Fischer selbst für Streichorchester gesetzt hat. Die Zweite zeigt, wie sehr old school der Neue ist, wie urvertraut mit dem kanonischen Repertoire. Sommerlich hell lässt Fischer das Orchester in den Rahmensätzen strahlen, dann wieder in großer Entäußerung rumpeln und pumpeln, zuletzt die Trompeten spitz dreinfahren, bis auch der Letzte im Saal weiß, dass am Haus bald eine neue Zeit anbrechen wird: unglaubliche Ovationen. Christiane Tewinkel

AUSSTELLUNG

Gefährlich schnell: Computerkunst

im Haus der Kulturen

Bisher gab es nur zwei Möglichkeiten. Entweder man liebte Computerkunst, oder man hasste sie. Nun beginnt mit dem Berliner Künstlerkollektiv Weise 7 eine neue Ära. In ihrer Ausstellung im „Raumlabor“ vom Haus der Kulturen der Welt (John-Foster-Dulles-Alles 10, bis 12.3., Mi-Mo 11-19 Uhr) zeigen die sechs vielfach ausgezeichneten Hacker und Ingenieure Kunst mit Routern, Netzwerken und Betriebssystemen, die 2012 so kühn und wegweisend wirken, wie, sagen wir, Marcel Duchamps Pissoir im Jahr 1917. Die Handgranate des gebürtigen Neuseeländers Julian Oliver ist eine Skulptur aus transluzentem Material und handgefertigten Silberteilen, im Innern befindet sich ein nicht minder handgefertigter Computer, der die Netzwerke der Umgebung ausspioniert. Würde die Granate „gezündet“, würden E-Mails, HTML-Seiten, Bilder und Gespräche auf einen Server gestreamt und wären online für jedermann sichtbar. Das ist illegal, nicht aber das Gedankenspiel, welchem Politiker man diese „Transparenzgranate“ gerne vor die Füße legen würde – und auch nicht die Veröffentlichung der Bauanleitung. Die Idee des in Russland geborenen Künstlers Danja Vasiliev ist ebenso wild und ebenso wenig nur graue Theorie. Er schlägt anhand eines Modells vor, das Streckennetz der BVG als alternatives, kabelloses Datennetzwerk zu nutzen. Daneben gibt es 120 kreative Hacks des Betriebssystems Ubuntu oder eine Routerskulptur, die den Smartphones der Besucher vorgaukelt, sie stünden im Projektraum von Weise 7 in Neukölln. Diese Experimente animieren auch Laien dazu, gegenüber der Technik wach und aktiv zu werden, kritisch zu sein und die hübschen iPhones und Laptops nicht nur brav zu nutzen. Birgit Rieger

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