KURZ  &  KRITISCH : KURZ  &  KRITISCH

Karl Hafner

FILM

Sex & Crime aus dem Kongo:

„Viva Riva“ von Djo Tunda wa Munga

Das Spiel ist überall dasselbe im Genrekino, ob in New York, Moskau, Paris oder in Kinshasa, in der Demokratischen Republik Kongo: Wenn das große Geld ruft, dann wird pariert. Und betrogen, geprügelt, gemordet. „Viva Riva“ (OmU im Central, Eiszeit, Colosseum und Zukunft), das Debüt des Kongolesen Djo Tunda wa Munga, erzählt vom Kleingangster Riva (Patsha Bay). Nach zehn Jahren in Angola kehrt er nach Kinshasa zurück, mit einer unterschlagenen Lkw-Ladung voller Benzinfässer und dem Traum von der ganz großen Kohle. Schließlich herrscht Mangel in der Stadt, selbst die Luxuskarossen stehen still. Auf einem seiner ersten Ausflüge ins Nachtleben lernt Riva ausgerechnet Nora (Manie Malone) kennen, die Frau eines Gangsterbosses, und steigt mit mit ihr ins Bett. Ist es Liebe? Wem kann man trauen?

„Viva Riva“ atmet flirrende Hitze, lebt von Körperlichkeit, Schweiß, Musik, Sex – letzterer laut Regisseur, der sein Handwerk in Belgien gelernt hat, ein Tabu im afrikanischen Kino, das hier selbst für unsere Maßstäbe genüsslich und explizit gebrochen wird. Gekonntes Genrekino ist „Viva Riva“, ohne mehr sein zu wollen, und dabei doch weit spannender als der Großteil amerikanischer oder europäischer Action-Produktionen. Sicherlich liegt das auch am ruppigen und bunten Kinshasa: Der Regisseur wollte es so realistisch wie möglich zeigen – als vibrierende, unverbrauchte Kulisse für einen klassischen Chase-Movie. Auf dieser Jagd geht es um Tempo, um Rhythmus, um Aktion, weniger um die Entwicklung von Charakteren. Wozu auch? Die verdirbt das Geld sowieso und bringt sie auf ihren schäbigen Nullpunkt. In Kinshasa oder anderswo. Karl Hafner

KLASSIK

Magie aus Tonkultur: der Geiger Daniel Hope mit Sebastian Knauer

Ob ein Stück Sonate für Klavier und Violine oder einfach Violinsonate genannt wird – meist geht es in romantischer Kammermusik um ein schönes Gleichgewicht beider Stimmen. Es verstimmt, wenn ein Programmheft die Bedeutung des Violinisten gegenüber dem kleinen Pianisten optisch verdoppelt.

Hier darf es vielleicht einmal durchgehen, weil der britische Geiger Daniel Hope mit einer Hommage an den ersten Direktor der Berliner Musikhochschule nach Berlin kommt, die damals 1869 Königliche Akademische hieß und heute Universität der Künste: Joseph Joachim. Einer der bedeutendsten Geiger des 19. Jahrhunderts, Freund von Robert und Clara Schumann und Johannes Brahms, hat er eine zahlreiche Schülerschar geprägt, indes wie viele andere als Jude antisemitische Angriffe erlitten, während der Hof sich für ihn einsetzte.

Dieser großen Gründerfigur widmet Hope, Exklusivkünstler bei der Deutschen Grammophon, sein neues Album „The Romantic Violinist“ mit Orchester-, aber auch Kammermusik. Der deutsche Pianist Sebastian Knauer ist auf der CD dabei, Partner des Geigers auch in diesem Konzert. Mit charmanter Moderation und diskretem Musizieren beweisen beide, dass sie ein Team sind. In der Zurückhaltung gleichgesinnt, zeigen sie sich als Meisterinterpreten mit Werken aus einem historischen Künstlerkreis: Von Brahms erklingt das „FAE“-Scherzo und die Sonate Nr. 1 G-Dur, dazu Musik von Mendelssohn und Grieg sowie je eine Romanze von Clara Schumann und, überraschend schlicht, von Joachim selbst. Hope ist kein Teufelsgeiger. Seine Magie kommt aus apollinischer Tonkultur, holt Innenspannung aus leisen Wundern der Dynamik und Phrasierungskunst. Zwei lyrische Naturen, Hope und Knauer, schaffen es, im leider schwach besetzten Kammermusiksaal Atmosphäre zu zaubern. Sybill Mahlke

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