KURZ  &  KRITISCH : KURZ  &  KRITISCH

Tomasz Kurianowicz

KLASSIK

Reh trifft Orchester:

Symphony Prague in Stechau

Der Schlossherr hat gutes Wetter versprochen – und Wort gehalten: Auf dem Rasenplatz vor dem Schloss in Stechau strahlt die Sonne, während 2200 Zuhörer den berstenden Klängen von Beethovens „Fidelio“-Ouvertüre lauschen. Es spielt die Symphony Prague, am Pult steht Stefan Britvik, der rechts und links von Rehen und Pferden beäugt wird. Die 22. Brandenburgischen Sommerkonzerte sind auch eine Entdeckungstour. Stechau ragt heraus: Das Schloss wurde 1992 vom Münchner Rechtsanwalt Bardia Khadjavi-Gontard gekauft und für mehrere Millionen restauriert. Jetzt wird es regelmäßig für Veranstaltungen genutzt. Die schnellen Läufe, hinreißenden Tempowechsel von Carl Maria von Webers Fagottkonzert verbindet der Tscheche Petr Nemecek als Solist mit glasklarer Intonation. Das tröstet über die Violinromanze von Beethoven hinweg, die Konzertmeister Miroslav Vilimec überraschend unsauber darbietet. Sei’s drum: Spätestens bei der 8. Sinfonie von Dvobák sind alle Musiker in ihrem Element. Das Allegro ma non troppo klingt derart erhaben, dass das abschließende Feuerwerk wie hineinkomponiert erscheint. Tomasz Kurianowicz

KLASSIK

Blaukopf trifft Rhythmuskünstler: African Jazz bei Young Euro Classic

„Stellen Sie sich ein Männchen vor mit einem großen blauen Kopf, einem winzigen Körper und riesigen Turnschuhen. Es geht und geht durch die Nacht,bis es zu einem Club kommt. Und was es dort erlebt, das werden Sie hören“: Dirigent Tshepo Tsotetsi führt das Publikum in die südafrikanischen Jazzstücke des Abends ein. Hoch emotional das Spiel der jungen Musiker aus Südafrika und Deutschland. Unter ihnen auch Komponisten wie die Flötistin Monique. Nach einem Besuch des Gefängnisses auf Robben Island schuf sie ein trauriges und zugleich hoffnungsvolles Stück für Soloflöte und Klavier. Musik unter diesen Jugendlichen ist eine natürliche Form des Ausdrucks. Immer wieder legt eine die Geige oder die Tuba ab und tritt an die Rampe, um aus vollem Herzen zu singen. Tshepo Tsotetsi schlägt den Takt nicht, er tanzt ihn. Mit seinem Hut, der rundlichen Figur in Home-Boy-Klamotten und strahlendem Lächeln schließt ihn das Publikum sofort ins Herz. Es sind keine drei Minuten ins Land gegangen, da springen schon die Ersten aus ihren Stühlen, um mit den packenden Rhythmen mitzugehen. Selbst die Cellisten können nicht an sich halten und spielen lieber im Stehen, tanzend. Barbara Eckle

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