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OPER

Die Geheimnisse der Jungs: „Frerk, du Zwerg!“in der Neuköllner Oper

„Frerk, du Zwerg!“ So schallt der Spottchor auf dem Schulhof. Dabei ist Frerk nur der Zweitkleinste und Drittschwächste in seiner Klasse. Aber der Name lädt halt zum Reimen ein. Überhaupt hat der Junge kein leichtes Leben. Regelmäßig lauert ihm der Rüpel Andy Kolumpeck auf und knöpft ihm das Pausenbrot ab. Und daheim führt die Mutter ihre Hygiene-Diktatur. Was Spaß macht, ist verboten: Schokolade, Freundesbesuch und der sehnlich erwünschte Hund. Eines Tages aber fällt Frerk ein Ei in die Hände. Aus dem wird ebenso Erstaunliches wachsen wie aus dem Gernegroß selbst. Gepriesen seien die Jungs mit Geheimnis!

„Frerk, du Zwerg!“ ist ein anarchisch-komisches, vor Fantasie sprühendes, toll illustriertes Kinder- und Jugendbuch von Finn-Ole Heinrich und Rán Flygenring. Die Neuköllner Oper hat es nun in Kooperation mit dem Berliner Literaturfestival als kurzweilige Coming-of- Age-Groteske mit Musik von Knut Jensen auf die Bühne gebracht (Haus der Berliner Festspiele: 9.9., 11 u. 15 Uhr, ab 15.9., Neuköllner Oper). In der Regie von Roscha A. Säidow beleben Kai Meyer als Frerk sowie Franziska Dittrich und Magdalena Roth in den Restrollen die versponnene Mär vom Zwergenaufstand. An Klavier und Gitarre mit Ska-Tempo und Popschmelz vom musikalischen Leiter Andreas Hirche angetrieben, der bis zum Finale unter chorischer Publikumsbeteiligung stets auch die jungen Zuschauer bannt. Patrick Wildermann

KUNST

Wie Städte sich ernähren: 

„Hungry City“ im Bethanien

Als „Guerilla Gardening“ kehrt die Landwirtschaft seit einigen Jahren in die Städte zurück. Doch wer hat schon von „Guerilla Composting“ gehört? Das Künstlerkollektiv Kultivator baut mit Würmern gefüllte Behältnisse, setzt sie in die Erde ein und verbessert die Bodenqualität in der Stadt. Zurzeit kultivieren die Schweden im Rahmen von „Hungry City“ den Mariannenplatz in Kreuzberg (Bethanien, bis 28. Oktober, täglich 12-19 Uhr, Eintritt frei).

Außer Wurmbehältern in die Erde bringen Kultivator in Südschweden Bauern und Künstler zusammen. Die Kunst soll aus ihren großstädtischen Blasen geholt werden – und die Landwirtschaft zurück ins urbane Bewusstsein. Dazu bietet „Hungry City“ einen interessanten Überblick, mit Bildern der ersten Cityfarm der Neuzeit, der „Crossroads Community“ in San Francisco oder einem zwei Hektar großen Weizenfeld, das 1982 als Installation in Manhattan angelegt wurde. Die Ausstellung schafft überzeugend den Spagat, sich sowohl mit der Schnittmenge zwischen Landwirtschaft und Kunst als auch mit der künftigen Nahrungsmittelversorgung von Großstädten zu befassen.

Das Besondere an „Hungry City“: Während man dem Werdegang der ehemaligen DDR-Exportkartoffel folgt, der superrobusten „Adretta“, bietet der Blick aus dem Fenster Kräuter des Nachbarschaftsgartens „Ton Steine Gärten“. Die Vision von einer sich selbst versorgenden Stadt und ihrer beginnenden Umsetzung fließen zusammen.Nik Afanasjew

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