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KLASSIK

Satzball: das St. Louis Symphony

in der Philharmonie

St. Louis, am westlichen Ufer des Mississippi gelegen, galt als Tor zum Westen – und zu nicht endendem Wohlstand. Das Symphonieorchester der Stadt ist das zweitälteste der USA – und als einziger Vertreter des Schwerpunktlandes zum Musikfest Berlin über den Atlantik geflogen. Beethoven und Schönberg treffen beim Auftritt in der Philharmonie unter Chefdirigent David Robertson auf Carter und Gershwin. Doch diese Europa-Amerika-Paare sind nicht per se überzeugend: Elliott Carters „Holiday Overture“ – komponiert auf die Nachricht, dass die alliierten Truppen Paris befreit hatten – wirft, von funkelndem Blechklang animiert, den Filmprojektor an. Beethovens Violinkonzert kann von solcher Breitwanderöffnung nicht profitieren, besonders, wenn die orchestrale Macht bewusst klein gehalten wird. Robertson, der in Paris lange das Ensemble Intercontemporain leitete, versucht es fein. Darunter leidet die Spannung. Nie hat man Christian Tetzlaff, diesen wunderbaren Solisten, so viele virtuose Schnurren drehen gehört.

Wirkungsvoller entfaltet sich der „Spirit of St. Louis“ in der zweiten Konzerthälfte. Schönberg und Gershwin verband zweierlei: Tennis und der künstlerische Respekt füreinander. Robertsons Sinn für Strukturen und der fließende Klang seines Orchesters garantieren eine flirrende Wiedergabe von Schönbergs Fünf Orchesterstücken. Und der „American in Paris“ huldigt sichtlich angeheitert seiner Heimat. Als Zugabe eine Speed-Version der „Candide“-Ouvertüre: Die beste aller Welten ist – nicht zu fassen. Ulrich Amling

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