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KUNST

Fantasiegebirge: Lev Khesin

im Rathaus Tempelhof

Eine Ketchup-Majo-Senf-Schlacht mit zerlaufenem Spiegelei, eine blaugrün fluoreszierende Unterwasserwelt, bunt schimmerndes Glas – zu solchen Assoziationen regen Lev Khesins abstrakte Bilder in der Galerie im Rathaus Tempelhof an (Tempelhofer Damm, bis 21. 9., Mo-Fr 9-18 Uhr). Besonders die sich wellenden Bildränder faszinieren. Da quietscht und quatscht Farbe hervor. Die dick aufgetragenen Schichten verraten, wie viel Material und Mühe in den Werken steckt.

Auf diesen Bildern, die Skulpturen gleichen, entstehen Farblandschaften, Fantasiegebirge. Das Ganze entbehrt nicht des Kitsches: zu satt sind die Farben, zu triefend, zu bunt wirken die glänzenden, sich wölbenden Objekte. Das Trashige wird durch das Einfügen von Glitterpartikeln verstärkt. Khesins primäres Arbeitsmaterial ist Silikon. Der 1981 in Russland geborene Künstler, der seit 1999 in Berlin lebt, macht sich die Eigenschaften des Kunststoffes zunutze: Lichtbrechung und Reflexion erzeugen Farbspiele. Je nach Position des Betrachters ändern sich Farbe, Tiefe und Schattierung der Objekte. Bis ein Bild fertig ist, kann es ein Jahr dauern. Dabei spielt auch der Zufall eine Rolle, denn die endgültigen Formen des Materials sind nicht steuerbar. Leonie Langer

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