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KLASSIK

Glanz in der Hütte: Ein klassischer Allstar-Abend im Konzerthaus

So viele Spitzenkünstler kommen nur für einen guten Zweck zusammen: Sabine Meyer und Lauma Skride, Daniel Hope und Christian Tetzlaff, Antoine Tamestit, Alban Gerhardt und Daniel Müller- Schott, Edicson Ruiz, Andrea Lieberknecht, Johannes Fischer und Lars Vogt treten im Konzerthaus am Gendarmenmarkt zugunsten von „Rhapsody in School“ auf. Whow! Seit 2005 gibt es diese Initiative, bei der Musiker ihre Leidenschaft dorthin tragen, wo sie - hoffentlich – auf fruchtbaren Boden fällt: direkt in die Klassenzimmer. Obwohl alle Beteiligten ehrenamtlich mitmachen, kostet die Organisation natürlich Geld. Das wird von Sponsoren aufgebracht – und durch Benefizkonzerte wie am Donnerstag. Gleich zweimal, morgens um elf und abends halb sieben, wird gespielt, für Schüler respektive Familien. Malte Arkona, der sonst im Fernsehen „Die beste Klasse Deutschlands“ sucht, moderiert, der große Klaus Maria Brandauer ist als Erzähler im „Karneval der Tiere“ dabei.

Von so einem mächtigen Häuflein interpretiert, beginnt Camille Saint-Saens’ tierisches Divertissement richtig zu funkeln: Weil sich die geballte Virtuosität in feinem Humor und konzentriertester, klingender Kommunikation sublimiert. Überhaupt ist das zweieinhalbstündige Konzert eher ein Erwachsenenprogramm. Alban Gerhardt beginnt mit einer Bachschen Solo-Cello-Suite, dann folgen Bartoks scharfkantige „Kontraste“. Sehr innig spielen Tamestit und Hope Mozarts sinfonia concertante, dynamisch äußerst raffiniert agieren Tetzlaff, Müller-Schott und Vogt in Beethovens Tripelkonzert, klangvoll begleitet vom Orchester des Musikgymnasiums Carl Philipp Emanuel Bach. Ein großer Abend. Frederik Hanssen

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Mozart im Zentrum: Janowski mit dem RSB in der Philharmonie

Mozart hat zwei Sinfonien in g-Moll geschrieben, KV 183 in seiner Jugend und die „große“ KV 550. Viel ist räsonniert worden, zumal ob das späte Werk die Tonart des Schmerzes repräsentiere, wofür sich Beispiele in den Opern finden wie Paminas Arie „Ach ich fühl’s“. Auch ein Buffo-Ton lässt sich heraushören.

Marek Janowski, der besonders für Wagner und Bruckner steht, dirigiert einen g-Moll-Mozart aus ganz eigener Vorstellungsgabe. Die schattige Unruhe des Molto Allegro hat Atmosphäre, wie man sie nie gehört zu haben glaubt, so leicht und so tief. Diese Interpretation baut darauf, dass der Chef sein Rundfunk-Sinfonieorchester zu einem Eliteinstrument geformt hat. Das Andante scheint vom Himmel zu grüßen mit seinen Streicher- und Bläserfarben. Fließend und stimmig entwickelt sich dieses Musizieren, so dass der Kontrapunkt im Finale so kühn wie selbstverständlich klingt. Das Ganze ist weder Klage noch Trauer, sondern reine spirituelle Musik. Da die späte g-Moll-Sinfonie von viel Vorbereitung auf ihre geschliffene Orchestervirtuosität zeugt, kann die frühe nicht ganz mithalten. Aber auch dies ist behüteter Mozart jenseits historisch-kritischer Bedenken.

Mit dem G-Dur-Klavierkonzert von Ravel stellt sich der aus Russland gebürtige Amerikaner Kirill Gerstein vor. Als ein Stück mit Mozart-Vorbild fügt es sich in dieses dramaturgisch getüftelte „Wochenende im Zeichen Mozarts“ ein (noch heute in der Matthäus-Kirche und Sonntag in der Philharmonie, 20 Uhr). Jazz im Blut und geläufige Finger zeichnen den Pianisten Gerstein aus, mehr noch seine partnerschaftliche Hinwendung zu den solistischen Holzbläsern, die kammermusikalische Früchte trägt. Sybill Mahlke

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