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Nachmacher. The United Kingdom Ukulele Orchestra. Foto: Promo
Nachmacher. The United Kingdom Ukulele Orchestra. Foto: Promo

POP

Asynchrones Gepingel: The United Kingdom Ukulele Orchestra im Tipi

Man kann das erbärmlich nennen: dass da eine gecastete Combo von Profimusikern das originelle Erfolgskonzept eines gewachsenen Acts kopiert. Das vom Rocky-Horror-Show-Veteranen Peter Moss für den deutschen und österreichischen „Markt“ designte The United Kingdom Ukulele Orchestra (TUKUO) lehnt sein Schaffen allzu offensichtlich an das des 1985 gegründeten Ukulele Orchestra of Great Britain (UOGB) an. Das Original schreibt in einer Erklärung auf seiner Homepage aus dem Jahr 2010 anlässlich der Gründung der Kopie, die übrigens mitnichten ehrlich genug ist, sich als solche zu erkennen zu geben, dann auch nur von „that other organisation“.

Man kann natürlich auch einfach Spaß mit den Nachahmern haben. Das Prinzip, in der Aufmachung eines Kammerorchesters Klassiker der Musikgeschichte auf den witzig-kleinen Ukulelen zu schrammeln, ist schließlich – an dieser Stelle die Verbeugung vor dem Original, die auch der Kopie gut zu Gesicht stehen würde – derart überzeugend, dass es von derlei Acts nicht genug geben kann. Den begeisterten Zuschauern, die von der „We Will Uke You“-Show des TUKUO im Tipi am Kanzleramt (tgl. bis 14.10., 20 Uhr, So 19 Uhr) nicht genug bekommen können, ist daher auch der Abend nicht mieszumachen. Ja, das ist ein unterhaltsamer Parforceritt, mit Gags, Gesang und einem hübschen Spiel mit der Fallhöhe, die entsteht, wenn große Nummern („Eleanor Rigby“, „In The Mood“, „Bohemian Rhapsody“) auf kleinen Instrumenten erklingen.

Man kann aber zuletzt doch noch die Empfehlung aussprechen, sich das Original einfach bei Youtube anzusehen. Dabei wäre unter anderem festzustellen, wie viel mehr für ein Ukulelenorchester drin ist als nur das Spiel mit den Klischees vom steifen, aber skurrilen Briten und das Abfeiern erwartbarer Evergreens; wie viel mehr auch musikalisch drin ist als meistenteils asynchron-homophones Herumgepingel, aus dem allein Solist Alan Sweeney herausragt. Bezeichnend für die lieblose Detailuntreue der Nachmacher: Sweeney spielt während des ganzen Konzerts ein sechssaitiges Instrument, das – von wegen Ukulele! – verdächtig nach einer Oktavgitarre aussieht. Auch ihm und den Seinen sei ein genauerer Blick auf die Vorbilder geraten. Denn wenn es dem UOGB bei so guten wie tatsächlich überraschenden Ukulelenumsetzungen von Wagners Walkürenritt oder der Wheatus-Nummer „Teenage Dirtbag“ gelingt, dass sich die Sphären von Ernst und Unernst gegenseitig befragen, dann ist das großes Entertainment – und nicht nur billiger Abklatsch. Johannes Schneider

KLASSIK

Funkelnde Visionen: 

Der Philharmonische Salon mit Liszt

Der Salon des 19. Jahrhunderts braucht schillernde Gestalten, und Franz Liszt, Supervirtuose, kühner Komponist und Frauenheld, ist wie gemacht dafür. Dem späten Liszt, der dazu in so großem Gegensatz zu stehen scheint, wendet sich der Philharmonische Salon des Götz Teutsch im Kammermusiksaal zu. Aus Schriften der Zeit, vom prononcierten Pathos des großen Helmut Lohner belebt, entsteht das Bild des Abbé Liszt, der mit wehender Soutane durch Rom eilt, dessen kärgliche Wohnung von einem riesigen Arbeitstisch beherrscht ist, der Abendgesellschaften gern durch konsequentes Nichtspielen brüskiert. Weit weniger pittoresk sind die späten Werke: Den Zeitgenossen galten sie als unverständlich, heutigen Musikologen als zukunftsweisend in ihrer fragmentarisch-spröden Suche aus der Tonalität heraus. Cordelia Höfer belegt das mit der spöttisch im Tritonus funkelnden „Bagatelle sans tonalité“, dem düster in sich kreisenden „Nuages gris“ oder dem dramatisch über hohlem Tremolo aufsteigenden „Unstern“. Olaf Maninger steuert dem in „La lugubre gondola“ schmerzlich schmachtende Cellotöne bei, darf dann mit Esko Laine am Kontrabass in Rossinis „Duetto D-Dur“ brillieren, ebenfalls ein verkanntes Spätwerk. Der Geiger Simon Bernardini entfacht nostalgisches Flair in Auszügen aus der „Ungarischen Krönungsmesse“, dem Holger Groschopp zarte „Lohengrin“-Klänge am Harmonium beifügt.

Auf Liszts Schreibtisch, wird berichtet, fand sich der Entwurf einer „Harmonie der Zukunft.“ Und so ist es nur folgerichtig, wenn er im Schlussstück „Am Grabe Richard Wagners“ dem nicht minder kompromisslosen Schwiegersohn mit dem Zitat des berühmten „Parsifal“-Quartmotivs huldigt: „Zum Raum wird hier die Zeit.“ Isabel Herzfeld

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