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OPER

Händel für Kids: „Engel singen hören“ im Schillertheater

Die meisten musikpädagogischen Angebote wenden sich an Kinder von bildungs- und kulturaffinen Eltern. Wohltuend anders ist die Kooperation der Staatsoper im Schillertheater mit dem Kinderopernhaus Lichtenberg. Hier stehen Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen, aller sozialen Schichten und aller Bildungsgrade auf der Bühne.

Mit „Engel singen hören“ nach Händels Tobit-Oratorium machen schon zum dritten Mal Schüler gemeinsam Musiktheater, bei der Premiere in der Werkstatt des Schillertheaters merkt man ihnen an, wie ernst es ihnen ist mit dem Üben, Konzentrieren, Proben, Stillsein, Abrufen. Leider ist das alttestamentarische Stück nicht unbedingt kindgerecht. Der blinde Exilant Tobit, aus Israel nach Assyrien verschleppt, schickt seinen Sohn Tobias in die Heimat zurück, Rettung zu holen – in diesem Fall: schnödes Geld. Regisseurin Sarah del Lago folgt der Devise „Man nehme alles zusammen und mache ein Stück daraus“. So gibt es für die jungen Akteure nur wenige tragende Rollen.

Die meisten bleiben in ihrem Spiel statisch, haben wenig zu tun und singen, obwohl sie das können, selten. Dafür treten die Hauptcharaktere mit einer Wucht in Erscheinung, dass es einem die Sprache verschlägt, so wunderbar spielwütig sind Nicolai Blume als Tobias und Maria Kehlenbrink als seine Braut. Bei den anderen Kinderdarstellern wird viel Potenzial verschenkt (wieder vom 27. bis 29. 10. im Kulturhaus Karlshorst). Christian Schmidt

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