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KLASSIK

Piano fortissimo: Bach

für vier Klaviere in der Philharmonie

Schon ein musikalisches Kuriosum: Vier renommierte Pianisten interpretieren in der Philharmonie Bachkonzerte für ein bis vier Klaviere. Dass man auf modernen Konzertflügeln spielt, fällt hier nicht so sehr ins Gewicht, weil es sich bei den aufgeführten Werken ohnehin zum großen Teil um Bearbeitungen handelt. Den Anfang mit dem A-Dur-Konzert macht der junge, von Alfred Brendel geförderte Kit Armstrong. Zum Glück wird Armstrong an diesem Abend seinem Ruf nicht gerecht, bereits mit zarten 19 Jahren ein abgeklärter, introvertierter, ja stoischer Musiker zu sein: Schon im Eingangssatz wirft er Impulse ins Orchester, im Larghetto wagt er riskante Temporückungen und scheint dann im Doppelkonzert mit dem bedächtigeren Matthias Kirschnereit die Schlussfuge noch vor seinen Mitspielern in die Pause bringen zu wollen.

Beeindruckend ist die hohe Kultur seines Spiels allemal: Er differenziert konsequent zwischen Tutti- und Soloklang, führt die rechte Hand mit leuchtendem Ton wie ein Melodieinstrument und hält die Stimmführung auch in den polyphonen Passagen transparent. Manches wirkt da fast ein wenig vordergründig. Andrea Lucchesini und Kirschnereit agieren deutlich zurückhaltender, der Liszt-erfahrene Markus Groh bringt eine Prise romantische Virtuosität ins Spiel. Sehr ausführlich hat man sich vorher vielleicht nicht über eine gemeinsame Interpretation unterhalten können, im langsamen Satz des d-Moll Konzerts für drei Klaviere (ohne Armstrong) ergibt sich aber doch ein bewegendes Zusammenspiel. Benedikt Bernstorff

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