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POP

Berauschend: Tanita Tikaram

im Kesselhaus der Kulturbrauerei

Als 19-Jährige ist Tanita Tikaram 1988 mit „Twist In My Sobriety“ unversehens reingerutscht in den weltweiten Erfolg. Da wusste die talentierte Singer/Songwriterin eigentlich noch gar nicht, ob sie überhaupt Musikerin bleiben wollte. Und da sie den Rummel des Popgeschäfts eher skeptisch betrachtete, hat sie ihre Karriere dann vielleicht auch nicht mehr so energisch verfolgt. Umso erfreulicher, dass sie mit „Can't Go Back“ jetzt endlich mal wieder ein neues Album veröffentlicht hat, und dass sie wieder Konzerte gibt. Etwas burschikos, aber auch elegant, steht die zierliche Frau in bollerig weiter Männerhose und schlotterig grauem Pullover auf der Bühne des Kesselhauses und schafft mit ihrem akustischen Begleittrio – Kontrabass, Gitarre, Saxophon – eine dichte, geradezu intime Atmosphäre.

Sie schrabbelt auf einer Nylonsaiten-Gitarre und singt mit betörender Stimme. „Good Tradition“, neu arrangiert, lässig jazzig swingend. Tanita setzt sich ans Piano, erklärt ihre Lieder. Da ist gleichzeitig Nähe und Distanz. Frühere Jahre, spätere Jahre, die Sehnsucht nach freier Ungebundenheit. Und dass man nicht zum Alten zurückkehren kann. Aufbruch. Abbruch. Alte und neue Songs mischen sich prächtig in sparsamen, an Van Morrison erinnernde Arrangements. Und alles wird getragen von dieser wunderbaren dunklen Altstimme und ihrer verhaltenen Unaufdringlichkeit. Zurückhaltung und Understatement. Darin liegt Tanita Tikarams großer Zauber. Und auch immer noch in ihrem zeitlosen Song „Twist In My Sobriety“. Berauschend. H.P. Daniels

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