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Claudia Wahjudi

KUNST

Oh Täler weit: Sebastian Burger

lockt in die Adenauer-Akademie

In der Akademie der Adenauer-Stiftung auszustellen, ist eine echte Herausforderung: Rampen, Treppen, Garderobe und Sehschlitze zerfurchen das zweigeschossige Gebäude, in der Mitte klotzt ein Zylinder aus Sichtbeton, der den Sitzungssaal umschließt, hinten strahlen hell verschalte Wände. Das Haus am Tiergarten, entworfen von Thomas van den Valentyn, macht es Künstlern schwer, Arbeiten zu platzieren. Doch Sebastian Burger, 32, hat die Aufgabe gewandt gelöst. Der Maler aus Leipzig, 2010 Stipendiat der Adenauer-Stiftung, lockt die Besucher immer tiefer ins Haus – mit geschickt arrangierten Formaten und Farben. Vorn am Tresen hängt großes buntes Öl auf Leinwand, auf dem Beton dagegen grauschwarzes Öl auf kleinem Papier, blau leuchtet es oben auf der Galerie, und wie das berühmte i-Tüpfelchen hängt an einer Säule die einzige Collage der Schau. Solcherart verführt, durchmisst der Besucher die apokalyptischen Kulturlandschaften, die Burger größtenteils figurativ inszeniert. Die Buchten, Flüsse, Wälder, Berge – oh Täler weit, oh Höhen! – sind gespickt mit einsamen Wanderern, Sagenfiguren, rätselhaften Objekten sowie ironischen Anspielungen auf deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts, Surrealismus, Fantasy und Leipziger Maler, allen voran Neo Rauch, bei dem er seinen Meister machte. Sich aus dessen Schatten herauszumalen, dürfte Sebastian Burger nicht schwerfallen: Sein Sinn für Raumtiefe, der aus der Akademie eine Wunderkammer macht, wird ihm dabei helfen (bis 8. Januar). Claudia Wahjudi

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