KURZ  &  KRITISCH : KURZ  &  KRITISCH

von

MUSIKTHEATER

Wagners Blech:

Mnozil Brass am Berliner Ensemble

Hand an Wagner zu legen, auf dass das Ergebnis komisch werde, ist ein echtes Wagnis. Natürlich hat der Mann irrwitzige Libretti geschrieben und auch sonst viel Seltsames in die Welt geblasen. Seine Musik aber ist gegen Verballhornung in harmonischen Blutbädern gestählt. Es sei denn, man findet die Stelle, an der ein Eichenblatt zu liegen kam. Mnozil Brass, das unerschrockene Wiener Blechbläserseptett, hat es zu Richards 200. Geburtstag im Auftrag der Stadt Bayreuth riskiert. Was die irgendwie auch Frack tragenden Herren als Ergebnis nun im Berliner Ensemble präsentieren, ist ein Triumph höheren Leichtsinns bei knackigen Phonwerten.

„Hojotoho“ heißt ihre Wagner-Blech-Comedy, standesgemäß in Szene gesetzt vom hügelgeprüften Regisseur Philippe Arlaud: Im Rhein macht sie die ewig lockende Wurst aus und zeigt den nah am Wasser gebauten Wagner als Liebhaber jüdischer Tänze – bis sich eine musikalisch als Tarnhelm maskierte altdeutsche Kappe seiner bemächtigt. Mnozil Brass brilliert dabei nicht nur mit äußerst eigenwilligen Virtuosen, sondern auch mit tanzwilligen Darstellern. Die Gralserzählung fließt unerhört schön in eine Gospelnummer ein, und die Nummer „There’s no Singer like Meistersinger“ beweist die Revuefestigkeit Wagners. Auch den Venusbergkonflikt – lieber ein hehres Weib oder ’ne lüsterne Göttin – bringen die Herren unter mitfühlendem Spott und Tubaschmatzen auf die Bretter. Völlig verblasene Ideen? Absolut, unbedingt! (noch einmal am 20. März). Ulrich Amling

FILM

Trennt euch! Matthias Schweighöfer

ist „Der Schlussmacher“

Wer in der schönen neuen Dienstleistungsgesellschaft Geld hat, delegiert die unangenehmen Tätigkeiten des Lebens. Putzen, Bügeln, Rasenmähen – all das kann man von Profis erledigen lassen, ohne sich selbst die Hände schmutzig zu machen. Matthias Schweighöfers zweite Regiearbeit „Schlussmacher“ denkt den Trend zum privaten Outsourcing weiter. Wer eine langjährige Liebesbeziehung stressfrei beenden will, geht zur Trennungsagentur „Happy End“. Deren Mitarbeiter übermitteln die schlechte Nachricht und übernehmen die psychologische Erstversorgung der abservierten Lebensgefährten. Eine saubere Sache für den Auftraggeber, auch wenn sich nicht jedes Trennungsopfer mit der Aushändigung des Infopaketes befrieden lässt. Nur noch elf erfolgreiche Trennungen fehlen dem versierten Schlussmacher Paul Voigt (Matthias Schweighöfer), dann wird er als Partner in die florierende Agentur aufgenommen.

Als er aber dem gutmütigen Thorsten (Milan Peschel) die Trennungsnachricht überbringt, ist Schluss mit der Routine. Thorsten findet sich nicht mit dem Ende der Beziehung zu Katharina (Nadja Uhl) ab und hängt sich trostsuchend an den Agenten ran. Als Paul der Führerschein abgenommen wird, übernimmt Thorsten das Steuer – und so macht sich das ungleiche Paar auf die Reise, um Pauls Quote zu erfüllen. „Schlussmacher“ hat eine durchaus originelle Prämisse, doch sie verpufft im deutschen Lustspielsumpf.

Schweighöfer und sein Drehbuchautor Doron Wisotzky begnügen sich mit einem Buddy-Movie, das den smarten Agenten gegen den exzentrischen Softie ausspielt. Dazu muss keiner der Hauptdarsteller seine Komfortzone verlassen. Selbstverliebt bewegt sich Schweighöfer durchs eigene Werk, und Peschel gibt wild grimassierend einmal mehr die liebenswerte Nervensäge. Für ein Millionenpublikum sollte es reichen (in 18 Berliner Kinos).Martin Schwickert

KLASSIK

Temperament und Trauermarsch:

die Staatskapelle im Roten Rathaus

Wie in so vielen der erstaunlichen Werke, die Schubert in seiner letzten Lebensphase geschaffen hat, ist auch dem Klaviertrio Es-Dur op. 100 kaum anzumerken, dass der Tod vor der Tür steht. Sicher, da ist der Trauermarsch im zweiten Satz, aber ansonsten birst das Stück schier vor Temperament und melodischer Vielfalt. Wie schade, dass Axel Wilczok, einer der fünf Konzertmeister der Staatskapelle, aus diesem Reichtum nichts macht. Für die Kammermusikreihe im Roten Rathaus hat er sich die Cellistin Elena Cheah und Daniel Barenboims Assistenten Julien Salemkour am Klavier hinzugeholt. Aber einschläfernd, ohne Biss und Idee, klingt das, was Wilczok seiner Violine entlockt, dazu kommen, oh je, vereinzelt unsaubere Töne. Salemkour rettet mit perlenden Läufen und plastischem Spiel, was an Dramatik zu retten ist, Cheah steuert satte, klangtrunkene Motive bei, so dass man sich jedes Mal freut, wenn das bewegende Hauptthema des zweiten Satzes mit seinem charakteristischen, von Weltskepsis durchzogenem Sextsprung im vierten Satz wiederkehrt. Auch bei Schostakowitschs e-Moll-Trio spürt man: Die drei Musiker reagieren nicht so selbstverständlich und instinktiv aufeinander wie lange eingespielte Kammermusikensembles. Sie suchen noch nach dem gemeinsamen Atem. Udo Badelt

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben