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KLASSIK

Eleganz ohne Exzess:

Ray Chen im Konzerthaus

Strahlend tritt Ray Chen dem Publikum entgegen. Der junge taiwanesische Geiger soll Julia Fischer ersetzen, die ihre beiden Konzerte mit dem Konzerthausorchester absagen musste. Hohe Erwartungen also im Saal, und anstelle der selten aufgeführten Fantasie für Violine und Orchester von Joseph Suk das abgedroschene Violinkonzert Nr. 1 von Max Bruch. Keine einfache Aufgabe für Chen, den Abend zu retten. Doch bereits der weiche Ansatz seiner ersten Töne verspricht Gelingen. Die scharf punktierten Doppelgriffe, die meist mit Brachialkraft gemeistert werden, lässt Chen leicht und kompakt über die Saiten springen. Den unruhigen Puls in der Orchesterbegleitung ignoriert er und versinkt in ein lyrisches Spiel jenseits der messbaren Zeit. Im schwedischen Dirigenten Eivind Gullberg Jensen trifft er einen sensiblen Partner. Kein massiver Bogendruck, keine überspannten Akzente, kein brunftiges Vibrato – Chens Interpretation legt eine Eleganz an den Tag, die jeden Exzess verabscheut. Nach der Pause ein krasser Sprung: Schostakowitschs Fünfte, Musik mit einer Schreckensdimension. Barbara Eckle

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