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KLASSIK

Töne sprechen: Gerd Wameling

und die Kammerakademie Potsdam

„Alle Stimmen zusammen machen den Frühling“, sagt der Sänger Fortunato in einer romantischen Welt von Frauen und Rittern, so zierlich und holdselig, dass sie nicht geheuer ist. Denn ein mephistophelischer Gast tritt ein, „schön, aber blass und wüst“, und der Jüngling Florio verfällt dem Zauber eines steinernen Venusbildes. Als Dichter ist er empfänglich für die Gefährdungen des Künstlers. Gerd Wamelings Lesung der Novelle „Das Marmorbild“ von Eichendorff zieht das Publikum in Bann, denn sie vergegenwärtigt konzentriert die Bilder und den Klang der Romantik, die voller Musik ist.

„In meinen Tönen spreche ich“, so ist der Abend im Kammermusiksaal in der Reihe „Pro Musica“ überschrieben, mit einem Wort von Johannes Brahms, das er an Clara Schumann gerichtet hat. Und es erklingt eine Menge Kammermusik des Komponisten, nämlich die beiden ausführlich singenden Sextette in B-Dur und G-Dur, gespielt von Mitgliedern der Kammerakademie Potsdam. Das sind ausgezeichnete Musiker, die den Melodienreichtum zumal des Opus 18 genießen und auch in dem gedämpfteren Opus 36 ihre Ensembleerfahrung aufbieten. Ein wenig gleichförmig das Programm.

Aber die sechs Intrumentalisten – Teresa Krahnert, Christiane Plath (Violine), Jennifer Anschel, Christoph Starke (Viola), Ulrike Hofmann und Jan-Peter Kuschel (Cello) – sind einfühlsam genug, um jeweils mit Diskretion die Melodieführung der Partner zuzulassen. Daraus entsteht eine schöne Klarheit des Klangbildes. Wiener Klassik läßt grüßen, Schubert, Beethoven, Haydn. Mit der solistischen Besetzung erzielt Brahms schon den Vollklang eines Orchesters. Die sechs Individuen erreichen besondere Momente, wenn sie aus dieser Fülle die Wunder des Leisen suchen. Sybill Mahlke

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