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Sakraltechno: Pantha Du Prince und The Bell Laboratory im HAU 1

Kleine Glöckchen, große Glocken, Glocken mit Klöppel, Röhrenglocken und sogar ein Carillon, ein riesiges Glockenspiel – das alles steht auf der Bühne des HAU 1 herum und schafft eine eindrucksvolle Glockenlandschaft. Hendrik Weber, der unter dem Namen Pantha Du Prince inzwischen ein weltweit gefeierter Technoproduzent ist, präsentiert seine neue Platte „Elements of Lights“. Deren markantes Merkmal ist es, Tanzmusik mit dem Gebimmel der unterschiedlichsten Glocken zusammenzubringen. Dazu hat sich Weber mit norwegischen Glockenspezialisten zusammengetan, die unter dem Namen The Bell Laboratory firmieren.

Das Interesse am Glöckchentechno, der klanglich noch erweitert wird durch den Einsatz von Marimba, Xylofon, Cymbal und Klangvasen, ist riesig. Das Konzert ist ausverkauft, ein kurzfristig anberaumtes Zusatzkonzert ebenso, und die hohen Erwartungen werden tatsächlich nicht enttäuscht. Der smarte Hendrik Weber, der gelegentlich auch selbst mal ein Glöckchen in die Hand nimmt, gibt mit seinem mal eher flächigen, dann wieder ziemlich tanzbaren Minimal-Techno den Takt vor, an dem sich die Glockenspieler orientieren, die alle weiße Gewänder tragen und darüber Schürzen, was betont, dass hier echte Handwerker an der Arbeit sind. In den schlechtesten Momenten klingt das so, als würde ein DJ eine Technoplatte mit Aufnahmen eines Glockenspiels nur recht holprig mixen, meistens aber verweben sich Maschinenmusik und Gebimmel in erstaunlicher Weise zu einer organischen Einheit, zu Sakraltechno, bei dem nur noch ein Engelschor fehlt. Ein Hipster mit Hut beginnt zu tanzen, die meisten Zuschauer starren aber wie gebannt auf die Bühne und wollen herausfinden, wie dieses seltsame Carillon funktioniert, vor dem der Spieler sitzt wie vor einer Orgel. Sieht man so bald sicher nicht wieder. Andreas Hartmann

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