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KLASSIK

Aufgeweckt: Janine Jansen mit der St. Martin Academy im Konzerthaus

Zauber und Zugkraft großer Namen: Janine Jansen leitet als erste Geigerin die Academy of St. Martin in the Fields, und das Konzerthaus ist ausverkauft. Sehr schnell zeigt sich, dass der Instinkt des Berliner Publikums, dem Jansen durch die Reihe Spectrum Concerts bestens bekannt ist, richtig war. In Mozarts erster Symphonie KV 16 stachelt sie das Kammerorchester energisch und mit singendem Ton zu geschliffenem Spiel an. Bestechend, wie genau die Niederländerin ihrem eigenen Spiel zuhört, wie sie in den Kadenzen der beiden Violinkonzerte A-Dur KV 219 und D-Dur KV 211 auf Entdeckungsreise geht, die Partitur förmlich abtastet. Aufgeweckt und ungemein wach, seinem liedhaften Charakter zum Trotz, gelingt das Adagio des A-Dur-Konzerts, aufwühlend das Final-Rondo. Dennoch ist man froh, zum Schluss noch anderes als Mozart zu hören: Bartóks Divertimento für Streichorchester von 1939 zeigt eindrücklich, dass es einer Epoche zerschlagener Formen entstammt, die sich mit Mozarts musikalischer Sprache längst nicht mehr einfangen ließ. Erschütternd und beklemmend die von Jansen und dem Ensemble unendlich lang angelegten Crescendi des mittleren Satzes, die wie Fratzen langsam aus dem Meer aufzutauchen scheinen. Udo Badelt

TANZ

Eingebaut: Colette Sadler

in den Sophiensälen
Der Dialog von Tänzern und Musikern ist derzeit sehr angesagt. In Colette Sadlers neuer Performance „Variations #1: On Order and Anarchy“, die in den Sophiensälen gezeigt wird (noch einmal am 5.2., 20 Uhr), wirkt die Begegnung der vier Tänzer mit den beiden Klangperformern Michael Vorfeld und Mario de Vega aber reichlich uninspiriert. Am Anfang vertieft sich der Japaner Yohei Yamada in ein Spiel mit kleinen Holzfiguren, aus denen eine Art Stadt entsteht. Später wird er zusammen mit Kayoko Minami und Kerem Gelebek die Hölzchen aufeinanderschichten, bis ein hoher Turm entsteht, der sie alle überragt und wider Erwarten bis zuletzt nicht umfällt. Der Turmbau ist Sinnbild für die menschliche Hybris – hier steht er zugleich für Ordnung und Struktur. Die Körper verharren dagegen in einem Zustand der Instabilität. Anfangs murkelt jeder vor sich hin. Die Musiker entlocken Becken und Cello sparsame Töne, die aber bisweilen ordentlich nerven. Der Abend wirkt zerfasert und konfus, das Nachdenken über Ordnung und Anarchie bleibt stecken im Türmchenspiel. Sandra Luzina

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