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AUSSTELLUNG

Brave Buben: Schmidt-Rottluff, Kirchner und Co. im Brücke-Museum

Nun sind sie wohl gezähmt, die Wilden von einst. Nachdem die Sammlung vom Ausflug nach Frankreich zurückgekommen ist, präsentiert das Brücke-Museum seine Bestände in neuem Ambiente, vor farbigen Hintergründen (bis 9.6., täglich außer Di 11–17 Uhr). Überraschend brav fügen sich Kirchner, Heckel, Müller und Co. in die Ordnung. Fast wirken die bunten Räume provozierender als die Bilder selbst. Besonders krass eine giftgrüne Wand für die divisionistischen Naturbilder von Karl Schmidt-Rottluff oder Erich Heckel. Das Grün lässt die Farben splittern und die Namensschilder flimmern. Tiefdunkler Hintergrund wiederum verstärkt den Ernst von Otto Müllers gotisch in die Länge gezogenen Figuren.

Auf diese Weise kommen die Eigenarten der einzelnen Brücke-Mitglieder stärker zum Vorschein, aber auch ihre Gewohnheiten. Schmidt-Rottluff setzt in späten Jahren Aubergine gezielt ein. Erich Heckel kämmt und scheitelt seine Landschaft. Selbst der hypernervöse Ernst- Ludwig Kirchner hat sein Flackern verloren und wirkt befremdlich gedämpft. Wie immer schert Emil Nolde aus der Reihe, mit seiner schamroten „Verspottung“ aus dem Jahr 1909 oder dem luziden Porträt des Mäzens Gustav Schiefler. Natürlich kann man auch wunderbaren Bekannten wiederbegegnen. Kirchners elastischer Artistin Marcella oder Karl Schmidt-Rottluffs flammend roter Dorfecke. Aber das Museum tut des Guten zu viel, wenn es die Rabauken wie Musterschüler präsentiert. Simone Reber

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