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KURZ  &  KRITISCH : KURZ  &  KRITISCH

18.02.2013 00:00 Uhrvon

KLASSIK

Klirrender Witz: Schostakowitsch

für Puppen im Werner-Otto-Saal

Dieser Schwarz-Weiß-Zeichentrickabend im Konzerthaus, der Schostakowitschs „Märchen vom Popen und seinem Knecht Balda“ (der seinem Popen am Ende kräftig aufs Maul hauen wird), auf einer Leinwand ins Rollen bringt und davor die Pappfiguren tanzen lässt, dieser Abend also, der im Nebenbei die Geschichte des Puppenspiels von den antiken Anfängen mit Sprechkunst, Puppen- und Maskentheater bis ins hoch technisierte 21. Jahrhundert mit digitaler Echtzeitanimation umgreift, ist – sensationell.

Der abgelegene Werner-Otto-Saal scheint geradezu prädestiniert für ein Opernexperiment, das dergestalt viele Begabungen zusammenführt: Julia Oschatz, die die projizierten Illustrationen besorgt hat; die acht RIAS-Kammerchor-Sänger, die so rasch artikulieren müssen, dass man erst nach einiger Zeit merkt, dass sie überhaupt auf Deutsch singen; das Modern Art Ensemble unter Vladimir Stoupel, das diese von klirrendem Witz durchsetzte Musik spielt, die mehrere Hände aus den Fragmenten rekonstruiert haben, zuletzt Jens Schubbe in seiner Fassung für Kammerensemble; die fünf Puppenspielstudenten der Ernst-Busch-Hochschule, die sich die Maske des Dichters Puschkin oder des Komponisten Schostakowitsch überziehen und den Knecht, die Dorfbewohner, die verliebte Popen- Tochter in Pappe über die kleine Bühne taumeln lassen; die Gesangssolisten, besonders Georg Gädker, wegen seines überaus schönen Timbres.

Vor allem aber Melanie Sowa und Friedrich Kirschner, beide Professoren für Puppenspielkunst, die diese heitere, ausgeklügelt selbstreferenzielle Inszenierung ersonnen haben (noch einmal am heutigen Montag, 20 Uhr). Christiane Tewinkel

KUNST

Zuflucht Atelier: Künstlerporträts

im Tempelhof Museum

Ein unscheinbares Haus in Mariendorf, ein kleines Plakat verweist draußen auf die Ausstellung „Begegnungen in Ateliers“ von Karin Wieckhorst (Alt-Mariendorf 43, bis 7.4.; Mo/Mi 10-16 Uhr, Di/Do 10-18 Uhr, Fr 10-14 Uhr, So 11-15 Uhr). Die Galerie im Tempelhof Museum logiert hier. Ist die Haustür erst einmal aufgedrückt, empfängt den Besucher zunächst Leere und Stille, dann erst kommt mit Verzögerung ein Aufseher. Der Ausstellungsraum muss eigens aufgeschlossen werden. In überdimensionalen Klarsichtfolien hängen Fotos an den Wänden. Die sich wellenden Hüllen künden von alten Zeiten, nichts ist geschönt, fast wie in einem Archiv. Lediglich der Name der Porträtierten ist jeweils angefügt, der Besucher muss sich selber helfen.

Gezeigt werden Künstler in ihren Ateliers, die in der DDR unter staatlichen Repressalien gelitten haben, darunter Hartwig Ebersbach und Angela Hampel. Seit Mitte der achtziger Jahre hatte die Fotografin Karin Wieckhorst Künstler in ihren Leipziger Ateliers besucht, begleitet von dem Berliner Kunsthistoriker Christoph Tannert. Auf diese Weise entstanden 26 Fotoporträts junger Maler und Bildhauer, darunter auch Neo Rauch. Die Künstler durften ihre Porträts später bearbeiten. Gudrun Trendafilov etwa übermalte ihr Porträt mit einem Selbstbildnis mit geschlossenen Augen. Der heutige Betrachter sieht nun mit völlig neuem Blick auf sie. Vinzenz Weidner

KLASSIK

Zaristischer Glanz: Auftakt zum Russland-Festival im Konzerthaus

„Wie klingt Russland?“ – Unübersehbar wirbt das Konzerthaus mit dieser Frage für sein Russland-Festival, doch dass man sie beantwortet bekommt, scheint am Eröffnungsabend zunächst gar nicht sicher. Rimski-Korsakows Oper „Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch“, aus der Dmitrij Kitajenko zusammen mit dem Konzerthausorchester eine Suite präsentiert, beschwört in ihren prächtig instrumentierten Bildern jedenfalls alten zaristischen Glanz. Und der droht, weil die Kitajenko das Harfengeplänkel und die Streicherakkorde, die das Funkeln der Zwiebeltürme des wundersam von den Feinden erretteten Kiteschs darstellen sollen, ein wenig zu uhrwerkhaft angeht, am Ende sogar matt zu werden.

Aber da ist ja noch das Hauptwerk des Abends, Schostakowitschs 13. Sinfonie. Sie entstand 1961/62 in der Tauwetterperiode Chruschtschows auf einen Text des heute noch lebenden Dichters Jewgeni Jewtuschenko. Wer Schostakowitsch zu den historisch zu betrachtenden Klassikern gepackt hat, wird kalt erwischt von der Aktualität des Stücks, das sowjetisches Pathos mit beißendem Humor kontrastiert und immer wieder an der Grenze surft, wo sich Enthusiasmus und Gewalttätigkeit berühren. „Ängste sterben aus in Russland“, erklären der intelligent deklamierende Bass Arutjun Kotchinian und die bestens einstudierten Männer des Prager Philharmonischen Chors. Kitajenko braucht die Musik nicht zusätzlich zu ironisieren, um deutlich zu machen, dass dieser Aussage auch unter Putin nicht zu trauen ist. Für Menschenrechtsaktivisten ist Schostakowitsch nicht nur Klassiker, sondern Teil ihrer Lebensversicherung. Carsten Niemann

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