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AUSSTELLUNG

Bachs Blüten: Klingende Exponate im Berliner Dom

Ob sich Christoph Hagels szenische Version der Johannespassion im Dom mit ihren leichtgeschürzten Darstellern als künstlerisch wertvoll erweisen wird, entscheidet sich erst bei der Premiere am 21. Februar. Die Frage „Darf der das?“ dürfte allerdings schon im Vorfeld positiv zu beantworten sein – schließlich bewegte sich auch Bach an der Grenze dessen, was die Zeitgenossen in Kirchenräumen akzeptierten. Inwiefern, das zeigt die kluge kleine Begleitausstellung, die das Bachhaus Eisenach im Dom installiert hat. Sie besteht zum einen aus einer Reihe von Videostationen, die zwischen Kuppel und Krypta aufgestellt sind. Mit witzigen, aber nicht platten Animationen und prägnanten Musikbeispielen, die auch spannende Vergleiche mit den Passionen von Bachs Kollegen ermöglichen, rückt das Kommunikationsdesignerteam „die buchstabenschubser“ die Werke dabei in den Kontext ihrer Zeit. Fazit: Auch wenn Bach den offenen Skandal vermied, verstieß er gegen seinen Arbeitsvertrag, der ihm das Komponieren „opernhaffter“ Kirchenmusik verbot. Zugleich zeigen die originalen Prunkstücke der Ausstellung, dass auch Bachs Passionen selbst nie sakrosankt waren: Zu sehen sind einige der 62 handschriftlichen Stimmbücher zu Mendelssohn-Bartholdys epochemachender Berliner Wiedererstaufführung der Matthäuspassion. Dabei erkennt man, wie Mendelssohn den Schluss eines Sterbechorals von Dur in Moll verwandelte. Durfte der das? Er hat einfach nicht gefragt (bis 7. April, Mo-Sa 9-19 Uhr, So 12-19 Uhr). Carsten Niemann

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