KURZ  &  KRITISCH : KURZ  &  KRITISCH

von

KLASSIK

Trauer zuerst: Vocalconsort Berlin eröffnet Chorfest im Radialsystem

Das Vokalfest Chor@Berlin geht schon ins dritte Jahr – und der Zuspruch ist ungebrochen. Was innovativ mit Chormusik, Sing- und Dirigierworkshops begann, erfindet sich auch 2013 neu: Diesmal strahlt das Radialsystem sogar bis nach Potsdam aus. Zur Eröffnung singt das Berliner Vocalconsort „über das Ende“ frühbarocke Werke über die Transzendenz des Todes in aller protestantischen Strenge; Bachs Motettenklassiker kommen ebenso vor wie Schütz, Schein und Schelle. Die Dramaturgie ist ambitioniert und koppelt unterschiedliche Vertonungen gleicher Texte zu einem stimmigen Programm.

Das erfordert von den 18 Stimmen des Berliner Vocalconsorts einen Farbenreichtum, der bei Marcus Creed in allerbesten Händen ist. Er weiß zu schattieren, spielt mit Licht und Aufstellung, Kontrasten zwischen chorischer und solistischer Besetzung, stilistischen Experimenten. Das durchweg Trauer und Tod Geweihte weiß Creed in völlig konträre Zusammenhänge zu stellen und sorgt damit für eine tour de force auf wechselnden Podien und eine dankbar konzentrierte Spannung im Saal. Dabei singt das Vocalconsort durchaus nicht immer in völliger technischer Perfektion, aber die Musikalität rangiert dafür auf allerhöchstem Niveau. So macht die Vielfarbigkeit des Gesangs das eine oder andere Manko mehr als wett und setzt Maßstäbe für die folgenden Veranstaltungen, die noch bis einschließlich Sonntag eine übergroße Vielfalt chormusikalischer Events bereithalten. Das sehr lohnenswerte Programm steht auch im Internet unter www.choratberlin.de.Christian Schmidt

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben