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KLASSIK

Durchs Hochgebirge: Das Artemis- Quartett im Kammermusiksaal

Interessante Stücke haben sie auf den Programmzettel gesetzt, das Artemis-Quartett, zu dem inzwischen Vineta Sareika als neue Primgeigerin gehört sowie Andreas Groethuysen und Yaara Tal am Klavier (und zwar zu zweit an einem einzigen). Das Herzstück des Abends im nahezu ausverkauften Kammermusiksaal ist das Hochgebirge von Beethovens Großer Fuge, die fast zwei Jahrhunderte nach ihrer Entstehung noch immer alles bietet, was sich unter „gezielte Überforderung der Interpreten“ kartieren lässt: Oktaven, Triller, sehr anstrengende Repetitionen, nicht aufhören wollende Achtelketten im Forte und Fortissimo.

Nach einer ebenfalls sehr dynamischen, gewissermaßen dauergespannten Darbietung von Mendelssohns Streichquartett op. 44, 1 muss das Artemis-Quartett also nur den Pegel oben halten, wenn es die fünfzehn Jahre ältere Komposition angeht. Dabei muss man zweifach hören: Tal und Groethuysen spielen eine noch von Beethoven selbst angefertigte Bearbeitung derselben Großen Fuge für Klavier. Naturgemäß verliert sich deren wilde Sperrigkeit in der Klangfülle des Flügels, dennoch bleibt sie zu sehen: in der Enge der vier Hände auf der Tastatur, dem Nebeneinander- und Übereinandergreifen in größter Eile. Höhepunkt des Konzerts jedoch ist die Bearbeitung, die ein Zeitgenosse Mendelssohns von dessen blütenfrisch anhebendem Oktett op. 20 vorgelegt hat und die nun alle musizieren – das Quartett wie ein ganzes Orchester klingend, geerdet und gezäumt vom kühlen Grund des doppelt besetzten Klaviers. Christiane Tewinkel

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